Psychiatrische Kliniken unter Druck: Psychiatrie-Barometer 2024/2025

Fachkräftemangel, Kostensteigerungen und unzureichende Refinanzierung verschärfen wirtschaftliche Lage

Die wirtschaftliche Situation psychiatrischer und psychosomatischer Kliniken in Deutschland bleibt angespannt. Das aktuelle Psychiatrie-Barometer 2024/2025 des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigt, dass steigende Kosten, unzureichende Refinanzierung und strukturelle Hürden bei der Personalgewinnung den Druck auf die Einrichtungen erhöhen.

Nur 28 Prozent der psychiatrischen und psychosomatischen Abteilungen sowie 35 Prozent der Fachkrankenhäuser bewerten ihre wirtschaftliche Lage zum Jahreswechsel 2024/2025 als gut oder sehr gut. Die Mehrheit der Einrichtungen stuft die Situation hingegen als mäßig bis sehr schlecht ein. Während sich Fachkrankenhäuser im Vergleich zum Vorjahr leicht stabilisiert zeigen, hat sich die Lage in den Abteilungen deutlich verschlechtert.

„Die Auswirkungen gestiegener Kosten auf die Liquidität sind erheblich: Über 70 Prozent der Kliniken berichten von starken bis sehr starken Einbußen. Nur rund ein Drittel gibt an, dass die Auswirkungen gering oder nicht spürbar seien. In der Konsequenz setzen viele Einrichtungen auf kurzfristige Maßnahmen wie die Aussetzung geplanter Investitionen oder Nicht-Besetzung offener Stellen“, so Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.

Bereits 30 Prozent der Abteilungen und 16 Prozent der Fachkrankenhäuser erwarten, in den kommenden sechs Monaten Personal reduzieren zu müssen. Etwa ein Fünftel plant, Leistungsumfang und -angebot einzuschränken – eine Entwicklung, die unmittelbar die Versorgung der Patientinnen und Patienten betreffen könnte.

Zur Sicherung der Liquidität setzen viele Kliniken auf Notmaßnahmen: 47 Prozent haben geplante Investitionen und Instandhaltungsmaßnahmen ausgesetzt, weitere 23 Prozent bereiten dies vor. Im Personalbereich verzichten 28 Prozent vorübergehend auf die Besetzung offener Stellen, in 15 Prozent ist dies geplant. Zusätzlich erhielten 26 Prozent der Einrichtungen Trägerzuschüsse und 21 Prozent nahmen Liquiditätskredite auf.

Die Refinanzierung der Kostensteigerungen bleibt eine zentrale Herausforderung. Die Umsetzung der PPP-Richtlinie (PPP-RL) wird von über 80 Prozent der Kliniken als wesentlich angesehen. Nur 37 Prozent konnten die Personalvorgaben der PPP-RL in allen Berufsgruppen vollständig erfüllen. Internationale Fachkräfte werden zunehmend eingesetzt: 55 Prozent der Einrichtungen nutzen sie bereits, weitere 7 Prozent planen dies. Dennoch bestehen weiterhin Herausforderungen wie Sprachbarrieren, Anerkennungsverfahren und hohe Rekrutierungskosten. Viele Kliniken unterstützen ihre internationalen Mitarbeitenden jedoch mit Einarbeitungs- und Integrationsprogrammen.

„Die Ergebnisse des Psychiatrie-Barometers zeigen eindrucksvoll, unter welchem Druck psychiatrische und psychosomatische Kliniken aktuell stehen. Was wir brauchen, sind realistische Personalvorgaben, ausreichend finanzierte Budgets und weniger bürokratische Hürden bei der Rekrutierung internationaler Fachkräfte. Nur so kann die Versorgung psychisch erkrankter Menschen langfristig gesichert werden“, betont Dr. Gerald Gaß.