Krankenhaus Rating Report 2025: Mehr als die Hälfte der Kliniken in Verlust
Wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser verschärft sich weiter – 56 Prozent der Kliniken 2024 mit Defizit erwartet
Der aktuelle Krankenhaus Rating Report 2025 zeigt eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation deutscher Krankenhäuser. Bereits 2023 schrieb ein erheblicher Anteil der Kliniken rote Zahlen, für 2024 wird ein weiterer Anstieg auf rund 56 Prozent defizitärer Einrichtungen erwartet. Die Autoren warnen vor einer strukturellen Belastung des Krankenhaussektors mit sinkender Liquidität und wachsendem Reformdruck.
Die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich laut dem Krankenhaus Rating Report 2025 im Jahr 2023 und nach ersten Schätzungen auch 2024 weiter deutlich verschlechtert. Während 2023 rund 43 Prozent der Krankenhäuser einen Jahresverlust auswiesen, deuten die aktuellen Projektionen darauf hin, dass dieser Anteil 2024 auf etwa 56 Prozent steigen dürfte. Damit würde erstmals eine Mehrheit der Einrichtungen im Jahresergebnis negativ abschließen.
„Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser war noch nie so angespannt“
Prof. Dr. Boris Augurzky
Besonders kritisch bewerten die Studienautoren die Entwicklung der finanziellen Stabilität. Die durchschnittliche EBITDA-Marge ist erstmals im negativen Bereich, was auf eine flächendeckende Ertragsschwäche im System hinweist. Parallel dazu verschärft sich die Liquiditätslage vieler Häuser deutlich. Bei rund der Hälfte der Krankenhäuser reichen die verfügbaren Finanzmittel nach Angaben der Studie nur noch für maximal zwei Wochen laufender Kosten. Dies erhöht das Risiko kurzfristiger finanzieller Engpässe erheblich.
Neben der Ergebnisentwicklung zeigt der Report auch strukturelle Verschiebungen im Versorgungssystem. Die stationären Fallzahlen sind zwar 2023 wieder gestiegen, liegen jedoch weiterhin unter dem Niveau vor der COVID-19-Pandemie. Gleichzeitig nimmt der Anteil ambulanter und hybrid erbrachter Leistungen weiter zu, was die klassische stationäre Auslastungslogik verändert und die Planungssicherheit für Krankenhäuser erschwert.
Unterschiede zeigen sich zudem nach Trägerschaft und Region. Öffentliche Krankenhäuser schneiden im Vergleich häufiger schlechter ab als private oder freigemeinnützige Einrichtungen. Gleichzeitig bestehen regionale Disparitäten, wobei insbesondere ostdeutsche Kliniken eine unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung im Vergleich zu westdeutschen Standorten aufweisen.
Auch die Personalentwicklung wird im Krankenhaus Rating Report 2025 kritisch bewertet. Zwar steigt die Zahl der Beschäftigten weiter an, gleichzeitig sinkt jedoch die Produktivität gemessen an der Fallzahl. Zusätzlich nimmt der Anteil von Teilzeitbeschäftigung im ärztlichen und pflegerischen Dienst deutlich zu, was die Personalplanung in den Kliniken weiter verkompliziert.
Für die kommenden Jahre zeichnet der Report zwei Szenarien: Während strukturwirksame Reformen mittelfristig zu einer Stabilisierung führen könnten, bleibt die Lage ohne zusätzliche Maßnahmen angespannt. Die Autoren sehen die Finanzierung, die Versorgungssteuerung und die sektorübergreifende Organisation als zentrale Handlungsfelder. In der gesundheitspolitischen Debatte wird der Krankenhaus Rating Report 2025 erneut als wichtiger Indikator für die Lage der Krankenhauslandschaft gewertet. Die Ergebnisse unterstreichen den anhaltenden Reformdruck auf die Gesundheitspolitik, primär mit Blick auf Versorgungssicherheit, Effizienz und Finanzierung des stationären Sektors.




