Vivantes bietet Tarifvertrag mit kurzer Laufzeit an
Vivantes verweist auf sinkende Erlöse und bleibt in Tarifverhandlungen mit ver.di gesprächsbereit
In den laufenden Tarifverhandlungen mit ver.di hat Vivantes einen Tarifvertrag mit kurzer Laufzeit ins Spiel gebracht. Hintergrund sind deutlich verschlechterte finanzielle Rahmenbedingungen durch angekündigte Kürzungen im Krankenhausbereich. Nach Angaben des Unternehmens könnten die Erlöse ab 2027 um mindestens 70 Millionen Euro sinken.
Die Tarifverhandlungen zwischen Vivantes und der Gewerkschaft ver.di über die Tochtergesellschaften des kommunalen Berliner Klinikverbunds treten in eine entscheidende Phase ein. Vor dem Hintergrund wachsender wirtschaftlicher Belastungen hat Vivantes nun einen Tarifabschluss mit kurzer Laufzeit vorgeschlagen, um kurzfristig Entgeltsteigerungen zu ermöglichen und gleichzeitig auf unsichere Rahmenbedingungen reagieren zu können. Nach Unternehmensangaben verschärfen insbesondere geplante Einschnitte auf Bundesebene die finanzielle Situation erheblich. Demnach drohen dem Konzern ab dem kommenden Jahr Erlösrückgänge von mindestens 70 Millionen Euro. Da auch die Leistungen der Tochtergesellschaften vollständig über die Fallpauschalen refinanziert werden müssen, reduziert sich der Spielraum für tarifliche Verbesserungen deutlich.
Vivantes verfolgt mit dem Vorschlag eines kurzfristigen Tarifvertrags eine doppelte Zielsetzung. Einerseits sollen die rund 2.200 Beschäftigten der Tochtergesellschaften zeitnah von Entgeltsteigerungen profitieren. Andererseits soll die kürzere Laufzeit die Möglichkeit eröffnen, auf weitere politische und finanzielle Veränderungen flexibel zu reagieren. Bereits in den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen mehrere Angebote vorgelegt. Diese beinhalteten unter anderem Entgeltsteigerungen von durchschnittlich sieben Prozent sowie eine schrittweise Angleichung an das Niveau des TVöD bis zum Jahr 2030. Zuletzt wurde das Angebot um eine steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung in Höhe von 1.000 Euro ergänzt. Die Gewerkschaft ver.di hat diese Vorschläge bislang abgelehnt.
Die Tarifauseinandersetzung steht im Kontext eines anhaltend hohen strukturellen Defizits. Vivantes weist derzeit ein Minus von über 120 Millionen Euro aus und hat bereits 2024 ein umfassendes Sanierungs- und Neuausrichtungskonzept beschlossen. Dieses sieht eine schrittweise Reduzierung des Defizits bis 2029 vor, ohne betriebsbedingte Kündigungen oder direkte Eingriffe in bestehende Entgeltstrukturen.
Als größter kommunaler Klinikbetreiber Deutschlands versorgt Vivantes jährlich rund 750.000 Patientinnen und Patienten und beschäftigt mehr als 20.000 Mitarbeitende. Die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns gilt daher als wichtiger Indikator für die Lage kommunaler Krankenhäuser insgesamt.




