Experten plädieren für Beibehaltung der Mindestmengen bei Frühgeborenen
Fachgesellschaften warnen vor Gefahren für extrem unreife Kinder bei Aufhebung der G-BA-Regelung
Kinderärztinnen und -ärzte sowie Geburtshelfende am Uniklinikum Dresden sprechen sich klar für die Beibehaltung der Mindestmengenregelung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) aus. Seit Januar 2024 müssen Kinderkliniken jährlich mindestens 25 extrem unreif geborene Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm behandeln, um diese besonders vulnerablen Neugeborenen versorgen zu dürfen.
„Die Versorgung frühgeborener Kinder und ihrer Familien von einem interdisziplinären und erfahrenen Team ist für ihr gesundes Heranwachsen unerlässlich. Deshalb ist die Konzentration und Zentralisierung von Expertise wichtig, um eine langfristig bessere Versorgung sicherzustellen“, betont Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.
Zehn Prozent aller Kinder in Deutschland werden zu früh geboren; ein Prozent sogar vor der 32. Schwangerschaftswoche. Diese Kinder benötigen spezialisierte medizinische Versorgung, um Mortalität und Komplikationen zu reduzieren. Studien zeigen einen engen Zusammenhang zwischen der Überlebensrate frühgeborener Kinder und der Anzahl der behandelten Fälle in einer Klinik.
Drei Bundesländer – Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt – haben inzwischen Klage gegen die Mindestmengen-Regelung beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Das Gericht soll prüfen, ob die Festlegung solcher Mindestmengen in die Zuständigkeit der Länder eingreift. „Mit der Klage werden alle bisherigen Bemühungen zur Verbesserung der Versorgungsqualität frühgeborener Kinder infrage gestellt. Das Hinauszögern der dringend notwendigen Strukturanpassungen stellt eine Gefahr für diese Kinder dar“, warnt Prof. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto-neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Dresden und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin (DGPM).
Am Uniklinikum Dresden wurden 2024 insgesamt 385 Frühgeborene behandelt, darunter 98 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm. Die große Erfahrung des Hauses ermöglicht auch Überlebenschancen für Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm. Die Versorgung erfolgt eng vernetzt im deutschlandweit einzigen Zentrum für feto/neonatale Gesundheit in Ostsachsen und gilt als Vorbild für andere Regionen.
„Eine Maximalversorgung, die in rund 50 Einrichtungen zentralisiert ist und gleichzeitig die wohnortnahe Betreuung von Geburten mit niedrigem Risiko sicherstellt, würde deutschlandweit eine optimale Versorgung extrem unreifer Kinder gewährleisten. Wir müssen heute die Strukturen aufbauen, die die Herausforderungen von morgen bewältigen können“, so Prof. Rüdiger.






