Deutlich weniger Klinikfälle seit der Pandemie: Studie sieht nachhaltigen Strukturwandel

BARMER-Institut analysiert persistente Rückgänge und stellt Rückkehr zum Vorkrisenniveau infrage

Die Anzahl der vollstationären Krankenhausfälle in Deutschland hat sich auch mehrere Jahre nach Ausbruch der COVID-19-Pandemie nicht auf das Niveau vor der Krise erholt. Dies geht aus einer aktuellen Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitsforschung hervor. Demnach lagen die Fallzahlen im Jahr 2024 weiterhin deutlich unter dem Wert von 2019, was weitreichende Konsequenzen für die Krankenhausplanung und die laufenden Reformdiskussionen mit sich bringt.

Ausgangspunkt der Untersuchung bildet der pandemiebedingte Rückgang im Jahr 2020: Die stationären Behandlungsfälle reduzierten sich von 19,4 Millionen im Jahr 2019 auf 16,8 Millionen, was einem Rückgang von etwa 13 Prozent entspricht. Auch in den Folgejahren konnte dieses Niveau nicht wieder erreicht werden; für das Jahr 2024 werden lediglich 17,6 Millionen Fälle ausgewiesen.

Zur Beurteilung dieser Entwicklung verwendet das Institut eine Methode zur Berechnung sogenannter Exzess-Fallzahlen, bei der die tatsächlich erfassten Fälle mit einem auf Basis des Jahres 2019 prognostizierten Wert verglichen werden. Das Ergebnis zeigt, dass die vollstationären Fallzahlen seit Beginn der Pandemie konstant um 14 bis 16 Prozent unter den erwarteten Werten liegen. Ein ähnlicher Trend besteht auch bei den Belegungstagen.

Bemerkenswert ist insbesondere die Verteilung der Rückgänge. Diese betreffen nicht nur einzelne Fachbereiche, sondern erstrecken sich über sämtliche Diagnosegruppen und Altersklassen. Am ausgeprägtesten sind die Rückgänge bei Erkrankungen mit geringem bis mittlerem Schweregrad, etwa Rücken-, Brust- oder Bauchschmerzen. Auch bestimmte Patientengruppen, insbesondere pflegebedürftige Personen mit niedrigem Pflegegrad, die zu Hause versorgt werden, weisen überdurchschnittliche Rückgänge auf.

Parallel dazu ist die Krankenhaussterblichkeit seit Beginn der Pandemie unter das erwartete Niveau gesunken – insbesondere bei Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern mit onkologischen Erkrankungen, wie die Analyse zeigt.

Für das Krankenhausmanagement ergeben sich daraus grundlegende Fragestellungen. Die Autoren interpretieren die Entwicklung als Hinweis auf eine systematische Vermeidung stationärer Behandlungen sowie ein beträchtliches Potenzial für ambulante Versorgung. Vor diesem Hintergrund erscheint eine kurzfristige Rückkehr der Fallzahlen auf das Niveau von 2019 als unwahrscheinlich.

Diese Befunde sind unmittelbar relevant für die aktuelle Krankenhausreform, insbesondere im Hinblick auf die Frage des Erhalts bestehender Kapazitäten. Aus Sicht der Studienautoren kann aus Versorgungsgründen kein prinzipielles Festhalten an bisherigen Strukturen um jeden Preis gerechtfertigt werden.

Die Analyse hebt somit hervor, dass eine strukturelle Anpassung der Krankenhauslandschaft erforderlich ist, die stärker auf Bedarfsgerechtigkeit, Ambulantisierung und differenzierte Versorgungsmodelle ausgerichtet sein sollte.

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