WIdO-Krankenhaus-Report 2026: Sachsen-Anhalt bei Ambulantisierungspotenzial im Spitzenfeld

Eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) bescheinigt Sachsen-Anhalt ein enormes Ambulantisierungspotenzial

57 % aller Krankenhausfälle könnten rein medizinisch betrachtet ambulant versorgt oder durch bessere Prävention vermieden werden. Gleichzeitig warnt der Report vor systemischen Fehlanreizen durch die geplante Vorhaltevergütung und das aktuelle Pflegebudget.

Der aktuelle Krankenhaus-Report 2026 verdeutlicht die Kluft zwischen stationärer Realität und ambulanten Möglichkeiten. Bundesweit wären von 15,2 Millionen Fällen rund 8,6 Millionen „ambulantisierbar“. In Sachsen-Anhalt betrifft dies 280.000 von 480.000 Fällen. Eine konsequente Verlagerung würde nicht nur 42 % der Belegungstage einsparen, sondern auch rund 40 % der Klinikausgaben reduzieren.

Besonders deutlich tritt das Verlagerungspotenzial in den Leistungsgruppen der Grundversorgung hervor. In der „Allgemeinen Inneren Medizin“ könnten 58 Prozent und in der „Allgemeinen Chirurgie“ sogar 63 Prozent der Fälle ambulantisiert werden. Trotz dieser wissenschaftlich belegten Potenziale kritisiert die AOK den aktuellen Kurs der Krankenhausreform. Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen, das als Blaupause für die bundesweite Einführung von Leistungsgruppen dient, zeigten bisher kaum Veränderungen bei den Standorten in der Grundversorgung. Es wird bemängelt, dass die geplante Vorhaltefinanzierung den Status quo eher zementiere, anstatt Anreize für eine konsequente Ambulantisierung zu setzen. Die Politik wird aufgefordert, die Vorhaltekapazitäten um die ambulant erbringbaren Leistungen zu bereinigen und die starren Regelungen für sektorenübergreifende Versorger zu flexibilisieren.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Reports ist die kritische Bilanz des 2020 eingeführten Pflegebudgets. Das Prinzip der Selbstkostendeckung habe zu einem enormen Kostenanstieg von 19,4 Milliarden Euro (2020) auf 26,1 Milliarden Euro (2024) geführt. Neben der finanziellen Belastung werden systemische Zielkonflikte konstatiert: Das Budget bremse die Ambulantisierung aktiv aus und ziehe Fachkräfte aus der Langzeitpflege ab. Zudem würden im stationären Bereich häufig Tätigkeiten in die Pflege verlagert, die keine pflegerische Qualifikation erfordern, nur weil deren Refinanzierung über das Budget gesichert ist.

 

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