Krankenhaus-Report 2026: Mehr als die Hälfte der Fälle ambulant behandelbar

WIdO sieht erhebliches Ambulantisierungspotenzial und kritisiert fehlende Reformansätze

Der aktuelle Krankenhaus-Report 2026 des Wissenschaftliches Institut der AOK zeigt ein erhebliches Potenzial zur Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich. Demnach könnten in Deutschland mehr als 50 Prozent der heutigen Krankenhausfälle ambulant versorgt oder ganz vermieden werden.

Krankenhaus-Report 2026 – Reformperspektiven
Springer Verlag
David Scheller-Kreinsen, Jürgen Wasem, Andreas Beivers, Carina Mostert-Brenck

Nach der Analyse des WIdO liegt das sogenannte Ambulantisierungspotenzial in allen 16 Bundesländern zwischen 53 und 58 Prozent. Auf Basis der Krankenhausfälle des Jahres 2024 ergibt sich bundesweit ein Volumen von rund 8,6 Millionen potenziell ambulantisierbaren Fällen bei insgesamt 15,2 Millionen stationären Behandlungen. Dies entspricht etwa 42 Prozent der Belegungstage sowie 39 Prozent der Krankenhausausgaben.

WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen betont, dass ambulante Behandlungen deutlich kostengünstiger seien, da insbesondere der Bedarf an stationärer Rund-um-die-Uhr-Betreuung entfalle. Gleichzeitig kritisiert er, dass es bislang in keinem Bundesland gelungen sei, dieses Potenzial in relevantem Umfang zu heben.

Besonders groß ist das Ambulantisierungspotenzial laut Report in der Grundversorgung, etwa in den Bereichen Allgemeine Innere Medizin und Allgemeine Chirurgie, wo jeweils über 60 Prozent der Fälle als ambulant behandelbar gelten. Dennoch zeigen erste Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen, dass die Krankenhausreform gerade in diesen Bereichen bislang kaum strukturelle Veränderungen bewirkt hat. Demgegenüber habe es bei spezialisierten Eingriffen – etwa in der Krebschirurgie oder Orthopädie – bereits eine deutliche Konzentration auf weniger Standorte gegeben.

Kritisch bewertet der Report zudem zentrale Reforminstrumente wie die geplante Vorhaltevergütung sowie das seit 2020 bestehende Pflegebudget. Beide könnten Anreize zur Ambulantisierung schwächen und bestehende Strukturen eher verfestigen. Auch die Vielzahl an Ausnahmeregelungen wird als problematisch eingeschätzt, da sie die intendierte Steuerungswirkung der Reform unterlaufen könnten.

Ein Blick in die Schweiz zeigt laut Report, dass flexible Ausnahmeregelungen häufig genutzt werden und damit Reformziele gefährden können. Diese Erfahrungen seien auf Deutschland übertragbar und sollten bei der weiteren Ausgestaltung berücksichtigt werden.

Darüber hinaus analysiert der Bericht die Entwicklung des Pflegebudgets. Seit Einführung der Selbstkostendeckung im Jahr 2020 sind die Ausgaben für Pflegepersonal deutlich gestiegen. Gleichzeitig werden Zielkonflikte sichtbar, etwa zwischen Kostendynamik, Personalentwicklung und sektorenübergreifender Versorgung. So könnte das Pflegebudget laut WIdO auch dazu beitragen, die Verlagerung in den ambulanten Bereich zu bremsen.

Insgesamt kommt der Krankenhaus-Report 2026 zu dem Schluss, dass die aktuellen Reformansätze zentrale Herausforderungen wie Effizienzsteigerung, Ambulantisierung und sektorenübergreifende Versorgung bislang nicht ausreichend adressieren. Eine konsequentere Ausrichtung der Reformpolitik sei notwendig, um die strukturellen Probleme im Gesundheitswesen nachhaltig zu lösen.

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