Streik bei Vivantes-Töchtern: Berlin drohen massive Störungen im Klinikbetrieb
Beschäftigte fordern 100 Prozent TVöD – Vorwurf des Wortbruchs gegen Senat und Regierenden Bürgermeister
Ab dem 15. April 2026, treten die Beschäftigten der Vivantes-Tochtergesellschaften in einen unbefristeten Erzwingungsstreik. Nach mehreren gescheiterten Verhandlungsrunden und Warnstreiks erhöhen ver.di und der DGB damit den Druck auf den landeseigenen Berliner Klinikkonzern und den Senat, um die vollständige Angleichung an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) sowie die versprochene Wiedereingliederung der Tochterfirmen zu erzwingen.
Der Tarifkonflikt bei Vivantes erreicht eine neue Eskalationsstufe. Im Kern der Auseinandersetzung steht die Forderung nach dem Ende der sogenannten „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ innerhalb des Konzerns. Während die Kernbelegschaft nach TVöD bezahlt wird, erhalten Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften – etwa in der Reinigung, Speisenversorgung oder Sterilisation – deutlich geringere Löhne und verfügen über keine betriebliche Altersvorsorge des öffentlichen Dienstes (VBL).
Gewerkschaftsvertreter werfen dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und der schwarz-roten Koalition vor, zentrale Versprechen aus dem Koalitionsvertrag von 2023 gebrochen zu haben. Die darin vereinbarte Integration der Tochterfirmen in die Mutterkonzerne von Charité und Vivantes sei bisher nicht erfolgt. Laut ver.di-Verhandlungsführer Ben Brusniak trage der Senat in seiner Funktion als Eigentümer die Verantwortung für die nun drohenden Störungen im Krankenhausbetrieb. Besonders kritisch wird die drohende Altersarmut vieler Beschäftigter hervorgehoben, da die Rentenerwartungen ohne die tarifliche Zusatzrente oft unter dem Existenzminimum liegen.
Der Streik wird flankiert von mehreren Kundgebungen, unter anderem vor dem Urban Krankenhaus und der CDU-Landeszentrale. Für den 16. und 20. April sind weitere Verhandlungstermine angesetzt. Die Streikenden betonen, dass ein funktionierender Klinikbetrieb ohne die „unsichtbare“ Arbeit in der Logistik und Sterilisation unmöglich sei und fordern neben finanzieller Angleichung auch die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Leistungen.




