Patiententourismus im Südwesten: 138.000 Menschen kommen zur Klinikbehandlung nach Baden-Württemberg
TK-Auswertung zeigt: Krebstherapie und Kardiologie sind Hauptgründe für Klinikwahl im Südwesten
Baden-Württemberg festigt seinen Ruf als medizinisches Exzellenzzentrum: Im Jahr 2024 ließen sich rund 138.000 Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern in den Kliniken des Südwestens stationär behandeln. Laut einer aktuellen Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes stehen dabei insbesondere onkologische Behandlungen im Fokus. Die Landesregierung reagiert auf diese Wanderungsbewegungen nun erstmals mit einer verstärkten länderübergreifenden Abstimmung im neuen Krankenhausplan.
Die Attraktivität der baden-württembergischen Krankenhauslandschaft strahlt weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit rund 138.000 externen Patientinnen und Patienten verzeichnet das Land einen deutlichen „Einpendler-Überschuss“, da im Gegenzug lediglich 104.000 Menschen aus Baden-Württemberg Kliniken in anderen Bundesländern aufsuchten. Die Analyse der TK zeigt klare Schwerpunkte bei den Behandlungsmotiven: Mit 17 Prozent entfällt der größte Anteil auf Krebserkrankungen, gefolgt von Herzproblemen (11 Prozent). Dies unterstreicht die Bedeutung der hochspezialisierten Zentren und Universitätskliniken im Südwesten für die überregionale Versorgung komplexer Krankheitsbilder.
Geografisch betrachtet speist sich der Patientenzustrom vor allem aus den direkten Nachbarregionen. Bayern führt die Liste mit 47.000 Personen an, gefolgt von Rheinland-Pfalz (39.000) und Hessen (36.000). 16.000 Patientinnen und Patienten waren bereit, für ihre Behandlung aus Bundesländern ohne direkte Grenze nach Baden-Württemberg anzureisen. Bei den Gegenbewegungen zeigt sich ein anderes Bild: Die Baden-Württemberger, die das Land für eine Behandlung verlassen, tun dies primär wegen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (14 Prozent) – über die Hälfte davon wählt Krankenhäuser im benachbarten Bayern.
Die Landesregierung trägt dieser Realität Rechnung und hat den Patientenwanderungen im Krankenhausplan vom 3. März 2026 erstmals ein eigenes Kapitel gewidmet. Ziel ist ein institutionalisierter Austausch mit Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz, um Kapazitäten und Spezialisierungen besser abzustimmen. Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung, sieht in der Digitalisierung den entscheidenden Hebel für diese Kooperation. Insbesondere die elektronische Patientenakte (ePA) müsse konsequenter genutzt werden. Obwohl Kliniken seit über einem halben Jahr verpflichtet sind, Befunde und Entlassbriefe einzustellen, hapert es in der Praxis noch an der Befüllung. Nur eine vollständige digitale Akte könne laut TK eine lückenlose Weiterversorgung über Landesgrenzen hinweg garantieren und Doppeluntersuchungen vermeiden.




