Baden-Württemberg beschließt neuen Krankenhausplan

Landesregierung setzt auf Leistungsgruppen und drei Planungsebenen

Der Ministerrat von Baden-Württemberg hat einen neuen Krankenhausplan beschlossen. Damit stellt das Land die stationäre Versorgung grundlegend neu auf. Gesundheitsminister Manne Lucha sprach von einem „Meilenstein für eine zukunftssichere stationäre Versorgung“.

Der neue Plan reagiere auf zentrale Herausforderungen wie Fachkräftemangel, demografischen Wandel und medizinisch-technischen Fortschritt. Ziel sei eine bedarfsgerechte, moderne und qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung bei gleichzeitig effizientem Ressourceneinsatz.

Umstellung auf Leistungsgruppen

Kern der Reform ist die Abkehr von der bisherigen Planung nach Fachabteilungen hin zu einer differenzierten Planung nach Leistungsgruppen. Damit greift Baden-Württemberg Elemente der auf Bundesebene noch nicht abgeschlossenen Krankenhausreform vor.

Die Leistungsgruppen werden drei Planungsebenen zugeordnet:

  • Grund- und Regelversorgung: Planung auf Ebene der Stadt- und Landkreise
  • Komplexe Leistungen: Planung in sechs Versorgungsregionen
  • Hochkomplexe Leistungen: landesweite Planung

Leistungen der Grund- und Regelversorgung – etwa Allgemeine Innere Medizin, Allgemeine Chirurgie, Geburtshilfe, Geriatrie und Basis-Intensivmedizin – sollen flächendeckend auf Ebene der Stadt- und Landkreise vorgehalten werden. Höher spezialisierte Leistungen werden stärker auf wenige Standorte konzentriert.

Die freie Krankenhauswahl bleibt laut Landesregierung bestehen.

Qualitätskriterien und Bedarfsprognosen

Die Leistungsgruppen sind an bundesgesetzlich definierte Qualitätskriterien geknüpft. Je komplexer die Leistung, desto höher die Anforderungen und desto stärker die Konzentration auf spezialisierte Häuser. Damit soll die Versorgungsqualität nachhaltig gestärkt werden.

Zudem erhält die Bedarfsanalyse ein größeres Gewicht. Der künftige Versorgungsbedarf – beeinflusst durch Alterung der Bevölkerung, Ambulantisierung und medizinischen Fortschritt – soll systematisch berücksichtigt werden.

Ambulantisierung, Digitalisierung und Patientensteuerung

Der neue Krankenhausplan verankert ausdrücklich die Ziele Digitalisierung, Ambulantisierung, sektorenübergreifende Versorgung und Nachhaltigkeit. Gesundheitsminister Lucha betonte, dass Patientinnen und Patienten noch zu häufig Notaufnahmen aufsuchen, obwohl ambulante oder digitale Versorgungsangebote geeigneter wären.

Das Leitprinzip laute künftig: „präventiv und digital vor ambulant vor stationär“. Eine gezielte Patientensteuerung solle die Versorgungsqualität erhöhen und gleichzeitig personelle Ressourcen entlasten.

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