DDG sieht Versorgungslücken bei Diabetes im Krankenhaus

Nur rund ein Drittel der Kliniken ist zertifiziert – Analyse verbindet spezialisierte Strukturen mit geringerer Sterblichkeit

Etwa jede fünfte im Krankenhaus behandelte Person hat einen Diabetes, zugleich ist nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) nur rund ein Drittel der Krankenhäuser entsprechend zertifiziert. Zwei Drittel der Kliniken verfügten weder über ärztliches Personal mit diabetologischer Weiterbildung noch über Pflegefachpersonen mit der Weiterbildung Diabetesberatung DDG. Zum Tag der Patientensicherheit fordert die Fachgesellschaft deshalb verbindliche Versorgungsstrukturen für Menschen mit Diabetes im Krankenhaus.

Die DDG weist darauf hin, dass Diabetes auch dann Einfluss auf die stationäre Behandlung haben kann, wenn die Stoffwechselerkrankung nicht der eigentliche Aufnahmegrund ist. Operationen, Infektionen, Cortisontherapien, Änderungen der Medikation, Nüchternphasen oder verschobene Mahlzeiten können die Blutzuckereinstellung erheblich verändern.

Besondere Anforderungen bestehen bei insulinpflichtigen Patientinnen und Patienten sowie beim Einsatz von Insulinpumpen und kontinuierlichen Glukosemesssystemen. Aus Sicht der Fachgesellschaft müssen deshalb Zuständigkeiten für die Diabetesbehandlung im Krankenhaus eindeutig geregelt und entsprechende Informationen bereits bei der Aufnahme berücksichtigt werden.

Studie zeigt Unterschiede zwischen zertifizierten und nicht zertifizierten Kliniken

Die DDG stützt ihre Forderung auch auf eine 2026 veröffentlichte Analyse der bundesweiten DRG-Statistik. Untersucht wurden die Behandlungsergebnisse erwachsener Menschen mit Diabetes in zertifizierten und nicht zertifizierten Krankenhäusern.

Auzanneau M. et al.: In-hospital outcomes of adults with diabetes treated in certified vs. non-certified hospitals: a nationwide analysis of German DRG statistics, Frontiers in Health Services 2026, 6:1782882, DOI 10.3389/frhs.2026.1782882.

Die Auswertung zeigte nach Angaben der Fachgesellschaft bessere Behandlungsergebnisse in Kliniken mit Diabetes-Zertifizierung. Auf Grundlage der beobachteten Unterschiede wurde hochgerechnet, dass jährlich rund 1.140 Todesfälle von Menschen mit Diabetes in deutschen Krankenhäusern vermieden werden könnten, wenn die entsprechenden Ergebnisse zertifizierter Einrichtungen bundesweit erreicht würden.

Dabei handelt es sich um eine statistische Hochrechnung auf Grundlage einer Beobachtungsstudie und nicht um den Nachweis, dass die Zertifizierung allein ursächlich für die niedrigere Sterblichkeit verantwortlich ist.

DDG fordert diabetologische Expertise und verbindliche Abläufe

Für die Fachgesellschaft zeigen die Ergebnisse eine strukturelle Versorgungslücke. Sie fordert, diabetologische Expertise in den Krankenhäusern zu sichern und verbindliche Abläufe für die stationäre Versorgung von Menschen mit Diabetes zu etablieren.

Zu entsprechenden Strukturen gehören nach Darstellung der DDG diabetologisch qualifizierte Ärztinnen und Ärzte, geschulte Pflegefachpersonen sowie festgelegte Prozesse für Insulintherapie, Medikamentenanpassungen und den Umgang mit Insulinpumpen und CGM- bzw. FGM-Systemen.

Besonders relevant ist dies bei akuten Erkrankungen. Infektionen können unter anderem einen erheblichen Anstieg des Blutzuckers bis hin zur diabetischen Ketoazidose auslösen. Verbessert sich die Infektion, kann sich der Insulinbedarf wiederum reduzieren. Eine nicht rechtzeitig angepasste Therapie erhöht dann das Risiko einer Hypoglykämie.

Patientensicherheit beginnt bereits bei der Klinikaufnahme

Neben strukturellen Verbesserungen in den Krankenhäusern empfiehlt die DDG auch den Betroffenen, einen geplanten stationären Aufenthalt vorzubereiten. Informationen zur Diabetesform, aktuelle Medikamenten- und Therapiepläne, Insulinschemata sowie Einstellungen von Pumpen und Glukosesensoren sollten dem Behandlungsteam möglichst frühzeitig zur Verfügung stehen.

Besonderen Vorbereitungsbedarf sieht die Fachgesellschaft bei Typ-1-Diabetes, Insulinpumpentherapie, vorausgegangenen schweren Hypoglykämien sowie bestehenden diabetischen Folgeerkrankungen.

Die DDG nimmt den Tag der Patientensicherheit am 17. September 2026 zum Anlass, auf diese Anforderungen aufmerksam zu machen. Aus Sicht der Fachgesellschaft sollte jedes Krankenhaus über Strukturen verfügen, die eine sichere Diabetesversorgung unabhängig vom eigentlichen Grund der stationären Aufnahme gewährleisten.