DGCH fordert Failure-to-Rescue-Rate in Klinik-Qualitätsberichten
Sterblichkeit nach Komplikationen soll bei komplexen Tumoreingriffen verpflichtend ausgewiesen werden
Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) fordert einen neuen verpflichtenden Qualitätsindikator für Krankenhäuser: Bei komplexen Tumoroperationen sollen Kliniken künftig ihre Failure-to-Rescue-Rate (FTR) in den Qualitätsberichten veröffentlichen. Die Kennzahl erfasst, wie viele Patientinnen und Patienten nach einer postoperativen Komplikation versterben, und soll damit die Fähigkeit eines Krankenhauses abbilden, Komplikationen rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.
Bei komplexen Eingriffen etwa an Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre, Leber oder Aorta lassen sich postoperative Komplikationen nach Angaben der DGCH auch bei fachgerechter chirurgischer Versorgung nicht vollständig vermeiden. Für die Beurteilung der Versorgungsqualität sei deshalb nicht allein entscheidend, wie häufig Komplikationen auftreten, sondern insbesondere, wie erfolgreich ein Krankenhaus auf diese reagiert.
Genau hier setzt die Failure-to-Rescue-Rate an. Sie beschreibt den Anteil der Patientinnen und Patienten, die nach einer aufgetretenen Komplikation versterben.
FTR soll Leistungsfähigkeit des gesamten Krankenhauses abbilden
Eine erhöhte Failure-to-Rescue-Rate kann nach Einschätzung der Fachgesellschaft auf Defizite bei der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Komplikationen hinweisen. Relevant seien dabei nicht nur die chirurgischen Fähigkeiten, sondern auch Pflegebesetzung, Intensivkapazitäten, Patientenüberwachung, Eskalationsprozesse, ärztliche Verfügbarkeit und die interprofessionelle Zusammenarbeit.
Damit bewertet die Kennzahl weniger den einzelnen Operateur als vielmehr die Fähigkeit des gesamten klinischen Systems, auf eine kritische Verschlechterung eines Patienten schnell und angemessen zu reagieren.
„Damit ist die FTR-Rate ein sensibler Gradmesser für Ausstattung und Organisationsgrad einer Klinik, eine Chiffre für die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems“, erklärt Prof. Christiane Bruns, Direktorin der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie an der Uniklinik Köln.
DGCH verbindet Qualitätsindikator mit Zentrumsbildung
Die DGCH fordert, die FTR-Raten bei komplexen Eingriffen künftig verbindlich in den Qualitätsberichten der Krankenhäuser auszuweisen. Patientinnen und Patienten könnten die Kennzahl damit bei der Auswahl eines Krankenhauses berücksichtigen.
Die Fachgesellschaft verbindet die Forderung zugleich mit der weiteren Konzentration komplexer chirurgischer Leistungen auf spezialisierte Zentren. Nach Angaben der DGCH weisen Untersuchungen darauf hin, dass spezialisierte Krebszentren niedrigere Failure-to-Rescue-Raten erreichen.
Auch die bestehenden Mindestmengenregelungen sollten nach Auffassung der Fachgesellschaft weiterentwickelt werden. Als Beispiel nennt die DGCH Operationen bei Speiseröhren- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, bei denen höhere Mindestmengen bereits zu einer stärkeren Konzentration der Eingriffe auf Einrichtungen mit hohen Fallzahlen geführt hätten.
Frühwarnsysteme und Rapid-Response-Teams als nächster Schritt
Für das klinische Qualitäts- und Risikomanagement gewinnt damit neben der Vermeidung von Komplikationen insbesondere deren frühzeitige Erkennung und strukturierte Eskalation an Bedeutung.
Die DGCH verweist in diesem Zusammenhang auf internationale Entwicklungen mit KI-basierten Frühwarnsystemen und Rapid-Response-Teams. Solche Strukturen sollen kritische Veränderungen bei Patientinnen und Patienten früher erkennen und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, schwerwiegende Komplikationen erfolgreich zu beherrschen.
Die Fachgesellschaft stellt ihre Forderung anlässlich des Tags der Patientensicherheit am 17. September 2026 vor.




