AOK Bayern startet Qualitätsvertrag mit Klinikum Aschaffenburg-Alzenau: Kampf gegen Mangelernährung im Krankenhaus
Mangelernährung gilt als eine der unterschätzten Gefahren im Klinikalltag: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) ist jeder vierte bis fünfte Patient betroffen – mit gravierenden Folgen. Die Sterblichkeit steigt um das Dreifache, wenn Betroffene unbehandelt bleiben. Um gegenzusteuern, haben die AOK Bayern und das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau nun einen neuen Qualitätsvertrag geschlossen.
Systematische Diagnostik und individuelle Therapiepläne
Kern des Programms ist ein verpflichtendes Screening für alle erwachsenen AOK-Versicherten, die stationär in Aschaffenburg oder Alzenau behandelt werden. Wird Mangelernährung festgestellt, erstellt ein Ernährungsteam einen individuellen Behandlungsplan, der Ernährungsberatung, Therapie und die Einbindung spezialisierter Fachkräfte umfasst. Noch vor der Entlassung erhalten Betroffene zudem Hinweise, wie sie die Therapie zu Hause fortführen können.
„Mangelernährung ist kein neues Phänomen – aber sie wird oft übersehen“, betont Dr. Tobias Hermann, Geschäftsbereichsleiter Stationäre Versorgung bei der AOK Bayern. „Mit dem Vertrag schaffen wir eine bessere Versorgungsstruktur und stärken die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten.“
Kooperation mit Modellcharakter
Das Projekt läuft bis Januar 2028 und wird anschließend vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) ausgewertet. Erste Erfahrungen gibt es bereits: Seit 2024 besteht ein ähnlicher Vertrag mit dem Krankenhaus Barmherzige Brüder in München. Dort konnte Mangelernährung durch ein strukturiertes Screening frühzeitig erkannt und behandelt werden.
„Die Kooperation hat gezeigt, dass interdisziplinäre ernährungsmedizinische Versorgung realisierbar ist und die Lebensqualität der Patienten verbessert“, so Dr. Gert Bischoff vom Münchner Standort.
Bedeutung für die Gesundheitsversorgung
Mit rund 4,6 Millionen Versicherten ist die AOK Bayern die größte gesetzliche Kranken- und Pflegekasse im Freistaat. Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau versorgt jährlich etwa 100.000 Patienten und sieht in der Kooperation eine Chance, gezielt auf eine der größten unterschätzten Herausforderungen im Krankenhaus hinzuarbeiten.
„Dank des Vertrages können wir krankheitsspezifische Mangelernährung endlich konsequent in den Fokus rücken“, erklärt Dr. Ariane Conrad vom Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.






