VdPB fordert mehr Autonomie und Verantwortung für Pflege
Bayerische Pflegekammer drängt auf stärkere Einbindung der Profession in Reformdebatten
Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern fordert zum Internationalen Tag der Pflegenden mehr Vertrauen, mehr Autonomie und mehr Verantwortung für die Profession Pflege. Trotz neuer gesetzlicher Kompetenzen und positiver Entwicklungen sieht die Pflegekammer weiterhin erheblichen Nachholbedarf bei Anerkennung, Mitbestimmung und eigenverantwortlichem Arbeiten.
Anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai hat die Vereinigung der Pflegenden in Bayern eine stärkere Einbindung der Profession Pflege in gesundheitspolitische Reformprozesse gefordert. Nach Einschätzung der Organisation gewinnen pflegerische Kompetenzen zwar zunehmend an Bedeutung, gleichzeitig fehle es jedoch weiterhin an ausreichender Autonomie, gesellschaftlicher Anerkennung und struktureller Mitbestimmung.
Die Präsidentin der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, Rita Zöllner, verwies auf verschiedene pflegepolitische Entwicklungen der vergangenen Jahre. Dazu zählen unter anderem die Einführung pflegerischer Vorbehaltsaufgaben, das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sowie neue Modelle der Pflegepersonalbemessung wie die PPR 2.0 in der Akutpflege und das Personalbemessungsverfahren PeBeM in der stationären Langzeitpflege.
Nach Auffassung der Pflegekammer zeigen diese Reformen zwar Fortschritte bei Kompetenzerweiterung und Professionalisierung, gleichzeitig nehme innerhalb der Berufsgruppe jedoch die Skepsis gegenüber gesundheitspolitischen Sparmaßnahmen zu. Insbesondere Diskussionen über eine Deckelung oder Begrenzung des Pflegebudgets würden von vielen Pflegefachpersonen kritisch bewertet.
Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern fordert daher eine verbindlichere Beteiligung der Profession an gesundheitspolitischen Entscheidungen. Dies gelte insbesondere für strukturelle Reformvorhaben wie die Einführung eines Primärversorgungssystems oder die Weiterentwicklung der Krankenhausversorgung.
Für das Krankenhausmanagement gewinnt die Debatte zunehmend an Bedeutung. Pflegefachpersonen übernehmen in vielen Einrichtungen bereits heute erweiterte Aufgaben in Versorgung, Koordination und Prozesssteuerung. Gleichzeitig verschärfen Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und steigende Versorgungsanforderungen die Diskussion um Kompetenzen, Rollenprofile und Verantwortlichkeiten innerhalb multiprofessioneller Teams.
Die Pflegekammer sieht in der weiteren Professionalisierung einen zentralen Hebel zur Stabilisierung der Versorgung. Genannt werden unter anderem Berufsregister, Weiterbildungsordnungen, Praxisanleitung sowie verbindliche Qualitäts- und Weiterbildungsstandards. Ziel sei ein stärkeres selbstbestimmtes Rollenverständnis der Pflegeberufe auch im interprofessionellen Kontext.
Die aktuellen Forderungen der Pflegekammer unterstreichen die wachsende Bedeutung der Profession Pflege im Zuge der laufenden Reformen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig verdeutlichen sie den zunehmenden Anspruch der Berufsgruppe, künftig stärker an strategischen Entscheidungen beteiligt zu werden.




