Trotz mehr Pflegepersonal bleibt die Belastung hoch
ver.di-Faktencheck sieht steigende Arbeitsdichte und warnt vor Deckelung des Pflegebudgets
Die Zahl der Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dennoch berichten viele Beschäftigte weiterhin über hohe Arbeitsbelastungen und fehlende Entlastung im Stationsalltag. Ein aktueller Faktencheck von ver.di nennt dafür mehrere strukturelle Ursachen und warnt vor den Folgen geplanter Eingriffe in die Pflegefinanzierung.
Die deutschen Krankenhäuser haben ihr Pflegepersonal in den vergangenen Jahren erheblich aufgestockt. Nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstituts stieg die Zahl der Pflegepersonen zwischen 2018 und 2024 von rund 438.000 auf 553.000 Beschäftigte. Das entspricht einem Zuwachs von etwa 26 Prozent.
Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di ist diese Entwicklung auch auf gesundheitspolitische Reformen und tarifpolitischen Druck zurückzuführen. Als wesentliche Faktoren nennt die Gewerkschaft die Einführung von Pflegepersonaluntergrenzen, verbesserte Vergütungen sowie die vollständige Refinanzierung der Pflegepersonalkosten am Bett.
Gleichzeitig weist ver.di darauf hin, dass die personelle Entlastung in vielen Kliniken bislang kaum spürbar sei. Die Wahrnehmung vieler Pflegekräfte unterscheide sich deutlich von den rein statistischen Entwicklungen.
Ein wesentlicher Grund liegt laut Faktencheck in der zunehmenden Teilzeitbeschäftigung. Die 553.000 Pflegekräfte entsprechen demnach lediglich rund 409.000 Vollzeitstellen. Das tatsächliche Wachstum der verfügbaren Arbeitskapazität falle damit deutlich geringer aus als die absolute Beschäftigtenzahl vermuten lasse.
Hinzu kommt eine veränderte Personalstruktur. Besonders stark gestiegen sei die Zahl der Pflegehilfskräfte sowie der Medizinischen Fachangestellten. Bestimmte pflegerische Tätigkeiten dürften jedoch weiterhin ausschließlich von dreijährig examinierten Pflegefachpersonen übernommen werden. Dadurch erhöhe sich die Belastung der qualifizierten Pflegekräfte trotz personeller Aufstockung.
Auch die Patientenstruktur habe sich verändert. Laut ver.di ist der Anteil hochbetagter Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Pflegebedarf seit 2019 deutlich gestiegen. Gleichzeitig habe die Zahl intensivmedizinischer Fälle zugenommen. Der Pflegeaufwand pro Fall nehme dadurch kontinuierlich zu.
Zusätzliche Arbeitsdichte entsteht nach Einschätzung der Gewerkschaft durch kürzere Verweildauern. Während Patientinnen und Patienten Anfang der 1990er Jahre noch deutlich länger stationär behandelt wurden, lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 2024 bei 7,1 Tagen. Aufnahme-, Verlegungs- und Entlassungsprozesse müssten dadurch in kürzerer Zeit organisiert werden und führten zu höherem administrativem Aufwand.
Als weiteres Problem nennt ver.di den hohen Krankenstand im Pflegebereich. Nach Zahlen der Techniker Krankenkasse waren Pflegekräfte im Jahr 2024 durchschnittlich 26,7 Tage krankgeschrieben. Bei anderen Berufsgruppen lag der Durchschnitt dagegen bei 18,2 Tagen. Die Gewerkschaft sieht darin eine Folge der anhaltenden Überlastung.
Für das Krankenhausmanagement bleibt damit die Herausforderung bestehen, Personalgewinnung, Arbeitsorganisation und Versorgungsqualität gleichzeitig zu stabilisieren. Besonders kritisch bewertet ver.di in diesem Zusammenhang die geplante Deckelung des Pflegebudgets. Stattdessen fordert die Gewerkschaft eine schnelle verbindliche Einführung der Pflegepersonalbemessung PPR 2.0, um den tatsächlichen Pflegebedarf künftig besser abbilden zu können.
Die Diskussion verdeutlicht zugleich die Spannungsfelder der Krankenhausreform: Während Kliniken wirtschaftlich unter hohem Druck stehen, wächst gleichzeitig der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal und patientenorientierten Versorgungsstrukturen.




