Vivantes und ver.di starten Tarifverhandlungen für Haustarifvertrag
Stufenweise Angleichung an TVöD geplant – wirtschaftlicher Druck prägt Gespräche
Der kommunale Krankenhauskonzern Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH und die Gewerkschaft ver.di haben sich auf eine Grundlage für neue Tarifverhandlungen verständigt. Im Mittelpunkt steht ein geplanter Haustarifvertrag für die Tochtergesellschaften, der eine stufenweise Angleichung der Entgelte auf 100 Prozent des TVöD-Niveaus vorsieht.
Die nächste Verhandlungsrunde ist bereits für die kommende Woche angesetzt. Beide Seiten betonen, dass zwar eine Gesprächsbasis gefunden wurde, die inhaltlichen Positionen jedoch weiterhin deutlich auseinanderliegen.
Vivantes-Personalgeschäftsführerin Dorothea Schmidt sprach von einem wichtigen Schritt nach der elften Tarifrunde. Zugleich verwies sie darauf, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Konzerns erheblichen Spielraum einschränkten. Der zuletzt von ver.di übermittelte Forderungskatalog würde nach Unternehmensangaben Mehrkosten von rund 113 Millionen Euro verursachen.
Zusätzlich verweist Vivantes auf erwartete finanzielle Belastungen durch gesundheitspolitische Maßnahmen des Bundes. Aus einem angekündigten Sparpaket könnten dem Konzern jährliche Erlösverluste von rund 70 Millionen Euro entstehen. Vor diesem Hintergrund müsse ein Ausgleich zwischen tariflichen Erwartungen und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gefunden werden.
Der Vivantes-Konzern beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Mitarbeitende und versorgt jährlich rund 750.000 Patientinnen und Patienten. Gleichzeitig besteht ein strukturelles Defizit von mehr als 120 Millionen Euro. Der Aufsichtsrat hatte bereits im Sommer 2024 ein Neuausrichtungs- und Sanierungskonzept beschlossen, das eine schrittweise Reduzierung des Defizits bis 2029 vorsieht – ohne betriebsbedingte Kündigungen und ohne Einschnitte beim Entgelt.
Die aktuelle Tarifrunde findet damit in einem Spannungsfeld aus hohen Kostenforderungen, politisch bedingtem Erlösdruck und laufender struktureller Sanierung statt. Beide Seiten sehen die Notwendigkeit einer Einigung, die sowohl die Beschäftigteninteressen als auch die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens berücksichtigt.





