Tarifverhandlungen bei Vivantes bleiben ohne Ergebnis

Klinikkonzern wirbt für schnellen Abschluss und verweist auf steigenden wirtschaftlichen Druck im Krankenhaussektor

Die Tarifverhandlungen zwischen dem Berliner Krankenhauskonzern Vivantes und der Gewerkschaft ver.di bleiben weiterhin ohne Ergebnis. Auch die inzwischen neunte Verhandlungsrunde endete nach Angaben des Unternehmens ergebnislos. Vivantes bekräftigte im Anschluss erneut seine Bereitschaft zu einem schnellen Tarifabschluss für die Beschäftigten der Tochtergesellschaften.

Wie der Klinikkonzern mitteilte, hatte Vivantes in den Gesprächen einen Tarifvertrag mit mittlerer Laufzeit als Übergangslösung vorgeschlagen. Ziel sei es gewesen, kurzfristig spürbare Entgeltsteigerungen zu ermöglichen und gleichzeitig einen weiteren Verhandlungsrahmen für eine schrittweise Annäherung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) zu schaffen. Ergänzend habe das Unternehmen eine Prozessvereinbarung vorgeschlagen, die den weiteren Weg zu einer vollständigen TVöD-Angleichung skizzieren sollte.

Nach Darstellung von Vivantes wurden die Gespräche jedoch durch Differenzen im Zusammenhang mit einer zugesagten Notdienstbesetzung in der Zentralsterilisation belastet. Ver.di habe sich daraufhin nicht mehr in der Lage gesehen, die Verhandlungen fortzuführen.

Seit Beginn der Tarifgespräche am 14. Januar 2026 habe Vivantes mehrfach Angebote mit deutlichen Entgeltsteigerungen sowie einer stufenweisen Anpassung an das TVöD-Niveau unterbreitet. Nach Angaben des Unternehmens sei bislang keines dieser Angebote von der Gewerkschaft angenommen worden.

Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personalmanagement bei Vivantes, erklärte, das Unternehmen wolle den Beschäftigten zeitnah substanzielle Gehaltsverbesserungen ermöglichen. Gleichzeitig verwies sie auf die wirtschaftlich schwierige Lage des Krankenhaussektors sowie die zusätzlichen Belastungen durch das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Jede weitere Verzögerung der Verhandlungen verringere aus Sicht des Unternehmens den finanziellen Spielraum für einen langfristig tragfähigen Abschluss.

Für das Krankenhausmanagement kommunaler Klinikverbünde bleibt die Tarifentwicklung ein zentraler wirtschaftlicher Faktor. Neben steigenden Personalkosten belasten strukturelle Defizite und unsichere gesundheitspolitische Rahmenbedingungen zunehmend die Finanzierung der Häuser. Vivantes verweist in diesem Zusammenhang auf ein strukturelles Defizit von mehr als 120 Millionen Euro.

Bereits im Sommer 2024 hatte der Aufsichtsrat des Konzerns ein Sanierungs- und Neuausrichtungskonzept beschlossen. Dieses sieht nach Unternehmensangaben eine schrittweise Reduzierung des Defizits bis 2029 vor. Gleichzeitig sollen betriebsbedingte Kündigungen sowie Einschnitte bei den Entgelten vermieden werden.

Vivantes zählt mit mehr als 20.000 Beschäftigten zu den größten kommunalen Krankenhauskonzernen Deutschlands und versorgt jährlich rund 750.000 Patientinnen und Patienten.

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