ver.di fordert Tarifvertrag für Klinikdienste in Braunschweig

800 Beschäftigte der Klinikdienste verlangen Annäherung an TVöD – Arbeitgeber reagiert bislang nicht

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat die Geschäftsführung der Braunschweiger Klinikdienste GmbH zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Hintergrund sind Forderungen der rund 800 Beschäftigten nach einer besseren Bezahlung und einer Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). Eine Reaktion der Arbeitgeberseite steht bislang aus.

In der Auseinandersetzung um die Arbeitsbedingungen der Braunschweiger Klinikdienste GmbH hat die Gewerkschaft ver.di nun offiziell Tarifverhandlungen eingefordert. Zuvor hatten Beschäftigte ihre Forderungen bereits am 17. Juni an kommunalpolitische Vertreter übergeben und damit den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht. Eine verbindliche Zusage der Geschäftsführung zu Gesprächen steht derzeit noch aus.

Die Braunschweiger Klinikdienste GmbH ist eine hundertprozentige Tochter des Städtischen Klinikums Braunschweig. Rund 800 Beschäftigte sind dort in zentralen infrastrukturellen Bereichen tätig, darunter in der Gebäudereinigung, der Spülküche, der Patienteninformation sowie im internen Transport- und Logistikdienst. Zusätzlich erbringen sie Dienstleistungen auch außerhalb des Klinikums, etwa in Schulen, Kindertagesstätten, Schwimmbädern und im Rathaus der Stadt.

Im Zentrum der tarifpolitischen Auseinandersetzung steht die Entlohnung der Beschäftigten. Nach Angaben der Gewerkschaft liegen die Einkommen teilweise deutlich unter dem Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD). Im Durchschnitt verdienen die Beschäftigten bis zu 800 Euro monatlich weniger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Die Mehrheit der Belegschaft erhält derzeit etwa 15 Euro Stundenlohn.

Die Gewerkschaft kritisiert zudem Berichte über internen Druck auf Beschäftigte, ihre Tarifinitiative zurückzuziehen. Nach Einschätzung von ver.di sei die gewerkschaftliche Organisation ein grundlegendes Recht der Beschäftigten, das nicht beeinträchtigt werden dürfe. Gleichzeitig wird von gewerkschaftlicher Seite betont, dass eine bessere Bezahlung ein zentraler Faktor für die Sicherung der Arbeitskräfte in den nichtmedizinischen Bereichen der Krankenhausversorgung sei.

Unterstützung erhält die Forderung nach Tarifverhandlungen auch aus einem breiten gewerkschaftlichen und betrieblichen Bündnis. Vertreter verschiedener Organisationen aus dem öffentlichen Dienst und der Industrie sowie Betriebsräte großer Unternehmen in Braunschweig haben sich solidarisch erklärt und die Geschäftsführung aufgefordert, unverzüglich in Verhandlungen einzutreten.

Die Auseinandersetzung reiht sich in eine bundesweit anhaltende Debatte über die Auslagerung von Krankenhausdienstleistungen und die damit verbundenen Unterschiede in der Bezahlung ein. Während viele Kliniken zunehmend auf Tochtergesellschaften und externe Dienstleister zurückgreifen, stehen Beschäftigte dort häufig nicht unter dem Schutz des TVöD. Gewerkschaften sehen darin ein strukturelles Problem, das zu dauerhaften Lohnunterschieden innerhalb des gleichen Versorgungsumfelds führt.

Ob es zu einer Einigung zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber kommt, ist derzeit offen. Die kommenden Wochen gelten als entscheidend für den weiteren Verlauf der Verhandlungen und die Frage, ob ein Tarifvertrag für die Klinikdienste in Braunschweig zustande kommt.

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