Vivantes einigt sich auf Tarifvertrag für Tochtergesellschaften bis 2031

Entgelte steigen stufenweise auf TVöD-Niveau – Arbeitszeitverkürzung und Zuschläge vereinbart trotz hoher Klinikdefizite

Der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH hat sich mit der Gewerkschaft ver.di auf einen neuen Tarifvertrag für die Tochtergesellschaften des kommunalen Klinikkonzerns verständigt. Die Einigung sieht eine stufenweise Angleichung der Tabellenentgelte an das Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) bis Juli 2031 vor.

Der Tarifabschluss betrifft rund 2.200 Beschäftigte in Bereichen wie Gastronomie, Logistik, Reinigung, Technik, Rehabilitation sowie medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt insgesamt 72 Monate und reicht bis Ende 2031. Neben der Entgeltentwicklung wurden auch eine schrittweise Arbeitszeitverkürzung auf 38,5 Stunden pro Woche sowie zusätzliche Zuschläge für Schicht- und Wechselschichtarbeit vereinbart. Die Jahressonderzahlung bleibt unverändert bestehen.

Abschluss unter finanziell schwierigen Rahmenbedingungen

Vivantes verweist selbst auf eine weiterhin angespannte wirtschaftliche Lage. Nach Unternehmensangaben liegt das strukturelle Defizit des Konzerns bei über 120 Millionen Euro jährlich. Gleichzeitig werden die finanziellen Spielräume durch anhaltende Reform- und Spardiskussionen im Krankenhaussektor zusätzlich belastet. Im Zuge des aktuell diskutierten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes werden zudem potenzielle Einnahmeverluste von rund 70 Millionen Euro pro Jahr erwartet.

Vivantes-Personalgeschäftsführerin Dorothea Schmidt bezeichnete den Tarifabschluss als wirtschaftlich sehr weitreichend und teilweise über der finanziellen Belastungsgrenze des Unternehmens. Gleichzeitig solle die Einigung ein Signal der Wertschätzung für die Beschäftigten in den Tochtergesellschaften sein, ohne deren Leistungen der Klinikbetrieb nicht aufrechterhalten werden könne. Parallel verweist das Unternehmen auf ein laufendes Neuausrichtungs- und Sanierungsprogramm, das bis 2029 eine schrittweise Defizitreduktion vorsieht – ohne betriebsbedingte Kündigungen oder Entgeltkürzungen.

Bedeutung für kommunale Klinikstrukturen

Der Tarifabschluss steht exemplarisch für die Spannungsfelder kommunaler Krankenhauskonzerne, die einerseits steigende Personal- und Tarifkosten tragen müssen, während gleichzeitig die Einnahmenseite durch gesundheitspolitische Reformen unter Druck gerät. Vivantes gehört mit mehr als 20.000 Beschäftigten und rund 750.000 behandelten Patientinnen und Patienten jährlich zu den größten kommunalen Klinikbetreibern in Deutschland.

Die Einigung unterstreicht damit die wachsende Bedeutung langfristiger Tarifvereinbarungen in einem Umfeld zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit. Gleichzeitig zeigt sie, dass Beschäftigungssicherung und Entgeltentwicklung auch unter defizitären Rahmenbedingungen weiterhin zentrale Verhandlungsziele im kommunalen Krankenhaussektor bleiben.

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