Streik trotz 7 % Lohnsteigerung? Vivantes kritisiert ver.di-Kurs
Klinikkonzern verweist auf umfangreiches Tarifangebot – Gewerkschaft kündigt unbefristeten Erzwingungsstreik an
Der Berliner Klinikkonzern Vivantes hat den von der Gewerkschaft ver.di angekündigten unbefristeten Erzwingungsstreik bei Tochterunternehmen scharf kritisiert. Nach Angaben der Geschäftsführung trage der Arbeitskampf nicht zur Lösung des Tarifkonflikts bei und verhärte vielmehr die Fronten zwischen den Verhandlungspartnern.
Vivantes betont, weiterhin an einem schnellen Tarifabschluss interessiert zu sein und verweist auf ein eigenes Angebot mit deutlichen Entgeltsteigerungen. Dieses sieht unter anderem eine schrittweise Angleichung der Gehälter auf 100 Prozent des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) bis Ende 2029 vor. Für das Jahr 2026 allein stellt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Gehaltssteigerung von rund sieben Prozent in Aussicht. Zusätzlich umfasst das Angebot weitere Komponenten wie Arbeitszeitreduzierungen und Zulagen.
Dorothea Schmidt, Geschäftsführerin Personalmanagement bei Vivantes, äußerte deutliche Kritik am Vorgehen der Gewerkschaft: „Das Verhalten und Beharren von ver.di bleibt ein Rätsel.“ Sie verweist darauf, dass Tarifsteigerungen in anderen Branchen im Jahr 2026 überwiegend zwischen 2,2 und 4,5 Prozent lägen. Vor diesem Hintergrund sei das Vivantes-Angebot überdurchschnittlich. Zudem befinde sich der Konzern weiterhin in einem Sanierungs- und Neuausrichtungsprozess, was die finanziellen Spielräume zusätzlich einschränke.
Der Konzern argumentiert weiter, dass die Forderungen der Gewerkschaft weder durch das Unternehmen noch durch das Land Berlin finanzierbar seien. In diesem Zusammenhang verweist Vivantes auch auf die angespannte wirtschaftliche Lage im Krankenhaussektor. So befänden sich in Berlin bereits mehrere Kliniken in Insolvenzverfahren, während bundesweit Arbeitsplätze im Gesundheitswesen unter Druck stünden.
Aus Sicht der Geschäftsführung sei insbesondere kritisch, dass es in den bisherigen fünf Verhandlungsrunden nicht gelungen sei, inhaltlich über das vorgelegte Angebot zu sprechen. „Ergebnisse erzielt man aber am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße“, so Schmidt weiter. Vivantes appelliert daher an die Gewerkschaft, die Gespräche fortzusetzen und eine Einigung im Dialog zu erzielen.
Der Konflikt verdeutlicht die zunehmenden Spannungen im Krankenhaussektor zwischen wirtschaftlichem Druck auf die Träger und steigenden Erwartungen der Beschäftigten an Vergütung und Arbeitsbedingungen. Vor dem Hintergrund der laufenden Krankenhausreform und struktureller Veränderungen gewinnt die Frage nach tragfähigen Tariflösungen zusätzlich an Bedeutung – sowohl für die Versorgungssicherheit als auch für die Personalbindung im Gesundheitswesen.




