Kreistag beschließt 39-Millionen-Euro-Rettungspaket für Harzklinikum

Landkreis Harz sichert Fortbestand des kommunalen Klinikums trotz angespannter Haushaltslage

Der Kreistag des Landkreises Harz hat ein umfassendes Rettungspaket in Höhe von insgesamt 39 Millionen Euro für das Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben GmbH beschlossen. Ziel ist es, die wirtschaftliche Stabilität des kommunalen Schwerpunktversorgers zu sichern und die medizinische Versorgung in der Region langfristig aufrechtzuerhalten.

Das Maßnahmenpaket umfasst drei zentrale Bausteine: den Ausgleich von Jahresfehlbeträgen für die Jahre 2024 und 2025 in Höhe von rund 13,7 Millionen Euro, eine Bürgschaft von bis zu 15,3 Millionen Euro zur Absicherung eines gerichtlichen Vergleichs mit der Zusatzversorgungskasse sowie Investitionen von bis zu 10 Millionen Euro in Modernisierung und Digitalisierung der Klinikstandorte.

Landrat Thomas Balcerowski bezeichnete den einstimmigen Beschluss als „starkes Bekenntnis zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“. Trotz eines eigenen Haushaltsdefizits von 20,6 Millionen Euro gehe der Landkreis bewusst an die Grenze seiner finanziellen Leistungsfähigkeit, um eine Gefährdung der regionalen Versorgung abzuwenden.

Die wirtschaftliche Situation des Klinikums spiegelt dabei strukturelle Herausforderungen wider, die bundesweit viele Krankenhäuser betreffen. Steigende Kosten für Personal, Energie und Sachmittel treffen auf unzureichende Refinanzierungsmechanismen. Insbesondere Tarifsteigerungen – zuletzt mit Mehrbelastungen von rund 10 Millionen Euro über drei Jahre – können nur teilweise kompensiert werden.

Parallel zu den finanziellen Stabilisierungsmaßnahmen verfolgt das Harzklinikum weiterhin einen Konsolidierungskurs. Dazu zählen der Abbau von Doppelstrukturen, die Bündelung medizinischer Leistungen sowie der Ausbau ambulanter Angebote. Ein Teil der Investitionsmittel soll gezielt in die Erweiterung radiologischer Kapazitäten, moderne Labortechnik sowie eine sektorenübergreifende IT-Infrastruktur fließen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der strategischen Weiterentwicklung der Versorgungsstruktur. Landkreis und Klinikum halten an der Perspektive fest, mittelfristig ein Zentralklinikum zu entwickeln, um eine wirtschaftlich tragfähige und leistungsfähige Versorgung im westlichen Sachsen-Anhalt sicherzustellen.

Das Harzklinikum versorgt jährlich rund 100.000 Patientinnen und Patienten, davon etwa 30.000 stationär. Mit rund 2.400 Beschäftigten zählt es zu den größten Arbeitgebern der Region und übernimmt eine zentrale Rolle in der medizinischen Grund- und Schwerpunktversorgung.

Geschäftsführer Dr. Matthias Voth betonte, dass die Unterstützung des Landkreises die Grundlage für eine konsequente Weiterentwicklung des Klinikums bilde. Ziel sei es, das Haus „modern, verlässlich und wohnortnah“ aufzustellen und gleichzeitig den eingeschlagenen Konsolidierungskurs fortzuführen.

Die Entscheidung des Kreistags verdeutlicht einmal mehr die wachsende Bedeutung kommunaler Träger bei der Sicherstellung der Krankenhausversorgung – insbesondere in strukturschwächeren Regionen.

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