Landkreis soll alleiniger Eigentümer des Klinikums Forchheim werden – Landkreis bremst Übernahmepläne
Forchheim-Fränkische Schweiz: Streit um Eigentum und Finanzierung des Klinikums
Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz könnte künftig vollständig in den Besitz des Landkreises Forchheim übergehen. Nach Angaben von Radio Bamberg plane die Stadt, ihre bislang gehaltenen 50 Prozent der Anteile noch im laufenden Jahr an den Landkreis zu übertragen. Der Finanzausschuss soll sich in der kommenden Woche mit dem Vorhaben befassen. Hintergrund sind die angespannten kommunalen Haushaltslagen und die hohe finanzielle Belastung durch den laufenden Verlustausgleich.
Nach Angaben von Oberbürgermeisterin Martina Hebendanz belaufen sich die jährlichen Ausgleichszahlungen der Stadt auf rund 7,5 Millionen Euro. Mit der Anteilsübertragung soll der städtische Haushalt entlastet und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität des Klinikbetriebs langfristig gesichert werden. Die Standorte in Forchheim und Ebermannstadt sollen nach aktuellem Stand unverändert weitergeführt werden.
Landkreis sieht Entscheidung noch nicht gefallen und verweist auf Risiken
Der Landkreis Forchheim hat die Pläne der Stadt in einer Stellungnahme eingeordnet und deutlich gemacht, dass es sich bislang lediglich um einen Beschlussvorschlag handelt. Eine endgültige Entscheidung durch den Stadtrat steht noch aus, sodass die Übertragung der Gesellschaftsanteile weiterhin offen ist.
Zugleich verweist der Landkreis auf die Komplexität einer möglichen vollständigen Übernahme. Neben gesellschaftsrechtlichen Fragen müssten bestehende Verträge, Liegenschaftsstrukturen sowie Beteiligungen einer Stiftung umfassend geprüft werden. Darüber hinaus hätte ein solcher Schritt erhebliche finanzielle Auswirkungen nicht nur für den Landkreis selbst, sondern auch für alle 29 kreisangehörigen Kommunen.
Nach Angaben der Kreisverwaltung hat der Landkreis in den vergangenen Jahren bereits Verluste von rund 10 Millionen Euro allein getragen. Für das Jahr 2025 wird ein Defizit von etwa 15 Millionen Euro erwartet, an dem sich die Stadt entsprechend der bestehenden Vereinbarungen hälftig beteiligen müsse. Als Ursachen werden unter anderem Verzögerungen bei Bauprojekten genannt, die für die Weiterentwicklung des Klinikstandorts notwendig seien.
Die Positionen von Stadt und Landkreis unterscheiden sich insbesondere in der Bewertung der finanziellen Konsequenzen. Während die Stadt eine Entlastung des Haushalts und eine Stabilisierung der Klinikstruktur anstrebt, betont der Landkreis die langfristigen Belastungen und strukturellen Risiken einer vollständigen Übernahme. Zugleich stellt der Landkreis klar, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen des Klinikums nicht neu seien und eine nachhaltige Lösung nicht allein über Eigentumsverhältnisse erreicht werden könne. Vielmehr gehe es um die Sicherstellung der stationären Versorgung der Bevölkerung im gesamten Versorgungsgebiet.
Die finanzielle Verantwortung für zusätzliche Belastungen würde letztlich über die kommunalen Haushalte von den Bürgerinnen und Bürgern der Region getragen, so die Argumentation des Landkreises. Vor einer Entscheidung sollen daher die wirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen umfassend geprüft werden.
Unabhängig von der laufenden politischen Diskussion betonen beide Seiten, dass es derzeit keine Auswirkungen auf Patienten oder Beschäftigte gebe. Der Betrieb an den Standorten Forchheim und Ebermannstadt soll unverändert fortgeführt werden. Der Landkreis unterstreicht zudem seine Verantwortung für die regionale Krankenhausversorgung und verweist auf die Bedeutung des Klinikums als zentralen Versorgungs- und Arbeitgeberstandort. Auch künftig wolle man die medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherstellen und die Weiterentwicklung des Hauses begleiten.




