Altmark-Klinikum in finanzieller Schieflage

Geschäftsführung prüfe Notlagentarifvertrag – Zukunftsstrategie soll Klinikstandorte in Salzwedel und Gardelegen sichern

Die wirtschaftliche Lage der Altmark-Klinikum gGmbH, die zu den Salus Altmark Holding gGmbH gehört, ist kritisch. Die Liquidität ist nach Angaben des Trägers gefährdet, dennoch betont die Geschäftsführung: Standortschließungen sind derzeit nicht geplant. Ziel bleibe es, die wohnortnahe Gesundheitsversorgung im Altmarkkreis sicherzustellen.

Die Ursachen für die Schieflage sind vielfältig. Nicht die Beschäftigten seien verantwortlich, heißt es in der Mitteilung – ihr Engagement verdiene „höchsten Respekt und Anerkennung“. Vielmehr seien strukturelle Rahmenbedingungen, geringe Fallzahlen, unzureichende Refinanzierung und externe wirtschaftliche Einflüsse ausschlaggebend. Seit Jahren könnten Krankenhäuser ihre Aufwendungen und Investitionen nicht mehr kostendeckend finanzieren.

Hinzu kämen die gestiegenen Personal-, Energie- und Sachkosten sowie der mangelhafte Inflationsausgleich, der die Kliniken besonders belastet. Eine Entlastung durch den bereits bewilligten hausindividuellen Sicherstellungszuschlag könne frühestens 2026 greifen, da zuvor noch Verhandlungen mit den Krankenkassen notwendig seien.

Die Altmark-Klinikum gGmbH steht damit exemplarisch für die angespannte finanzielle Lage vieler Häuser in Deutschland: Laut Krankenhaus-Rating-Report 2025 schreibt die Mehrheit der Kliniken Verluste und verfügt über geringe Liquiditätsreserven.

Verhandlungen über Notlagentarifvertrag

Zur kurzfristigen Sicherung der Zahlungsfähigkeit plant die Geschäftsführung eine tarifvertraglich abgesicherte Not- und Härtefallregelung, die insbesondere die Jahressonderzahlung betrifft. Über einen entsprechenden Notlagentarifvertrag wird derzeit mit der Gewerkschaft ver.di und dem Marburger Bund verhandelt.

Nach aktuellem Stand soll die Auszahlung des Weihnachtsgeldes auf April 2026 verschoben werden. Geschäftsführer und Gremien betonen, dass diese Entscheidung schwergefallen sei, aber notwendig, um die Versorgung und Arbeitsplätze zu sichern.

Strategieprozess mit externem Gutachter

Parallel dazu läuft ein Strategieprozess innerhalb der Salus Altmark Holding, um nachhaltige Lösungen für die Zukunft der Klinikstandorte zu entwickeln. Begleitet wird dieser Prozess von einem externen Sachverständigen. Dabei sollen auch innovative und internationale Versorgungsmodelle, insbesondere aus Skandinavien, einfließen – mit stärkerer Verzahnung von ambulanten und stationären Angeboten.

Jürgen Richter, Geschäftsführer der Salus Altmark Holding gGmbH, erklärt: „Die aktuelle Situation im Gesundheitswesen stellt viele Krankenhäuser, besonders im ländlichen Raum, vor existentielle Herausforderungen. Für uns ist klar, dass die medizinische Versorgung in der Altmark auch künftig gewährleistet bleiben muss. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Altmark-Klinikums suchen wir nach tragfähigen Lösungen, die Qualität und Erreichbarkeit der Versorgung sichern und zugleich wirtschaftlich tragfähig sind.“

Hintergrund:
Die Altmark-Klinikum gGmbH betreibt die Standorte Salzwedel und Gardelegen und gehört zur Salus Altmark Holding gGmbH (SAH), einer gemeinnützigen Trägergesellschaft der Gesundheits- und Sozialwirtschaft in Sachsen-Anhalt. Unter ihrem Dach sind außerdem die Salus gGmbH und die Krankenhaus Seehausen gGmbH vereint. Das Land Sachsen-Anhalt hält 81,8 Prozent der Anteile, der Altmarkkreis Salzwedel 18,2 Prozent. Insgesamt sind rund 4.200 Mitarbeitende in den Einrichtungen tätig.