Universitätsmedizin Greifswald koordiniert zwei neue Digitalisierungsprojekte im Netzwerk Universitätsmedizin
Initiativen sollen Datenaustausch, Intensivmedizin-Forschung und digitale Infrastruktur der Universitätsmedizin bundesweit stärken
Die Universitätsmedizin Greifswald übernimmt eine zentrale Rolle in neuen bundesweiten Digitalisierungsprojekten innerhalb des Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Zwei der aktuell gestarteten Projekte werden unter Greifswalder Leitung koordiniert und sollen den Austausch medizinischer Daten sowie die digitale Forschungsinfrastruktur der Universitätsmedizin in Deutschland weiterentwickeln. Ziel ist es, sowohl die Patientenversorgung als auch die medizinische Forschung durch bessere Datenverfügbarkeit und stärkere Vernetzung zu verbessern.
Im Rahmen einer neuen, auf zweieinhalb Jahre angelegten Projektreihe innerhalb des NUM treiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Greifswald zentrale Digitalisierungsinitiativen voran. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau eines bundesweiten Systems zur gemeinsamen Nutzung klinischer Daten von Intensivpatientinnen und Intensivpatienten.
Das entsprechende Gemeinschaftsprojekt wird von Falk von Dincklage, Intensivmediziner an der Universitätsmedizin Greifswald, gemeinsam mit der Universität Duisburg-Essen geleitet. Ziel ist der Aufbau eines dezentralen Registers für klinische Intensivdaten, das künftig den Austausch relevanter Behandlungsinformationen zwischen Intensivstationen in Deutschland ermöglichen soll.
„Notfall- und Intensivmedizin ist ein hoch digitalisiertes Umfeld und verändert sich ständig“, erklärte von Dincklage. Der Datenaustausch zwischen Intensivstationen könne dazu beitragen, Behandlungsmethoden bundesweit auf dem neuesten Stand zu halten. Das geplante System soll sowohl Daten aus der Erwachsenen- als auch aus der Kinderintensivmedizin berücksichtigen.
Neben der Unterstützung der klinischen Versorgung dient das Projekt auch der Versorgungsforschung, dem Qualitätsmanagement sowie der Vorbereitung auf zukünftige Krisen- und Pandemielagen. Perspektivisch sollen die erhobenen Daten unter anderem ein aktuelles Lagebild zur Belegung von Intensivstationen ermöglichen. Darüber hinaus könnten anonymisierte Vergleichsdaten helfen, Behandlungsschwerpunkte einzelner Einrichtungen zu analysieren und gezielt Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Datenschutz: Die Daten sollen dezentral an den jeweiligen Universitätskliniken gespeichert bleiben und nur bei Bedarf für gemeinsame Auswertungen genutzt werden.
Ein zweites Greifswalder Projekt konzentriert sich auf den Aufbau eines nationalen Datenportals für Forschungsdaten innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin. Dieses Vorhaben wird von Dagmar Waltemath gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen umgesetzt.
Das geplante Portal soll als übergreifende Plattform dienen, die bereits bestehende Datenportale verschiedener medizinischer Fachbereiche miteinander verbindet. Forschende sollen dadurch einen zentralen Überblick über verfügbare Datensätze erhalten und diese leichter für wissenschaftliche Projekte nutzen können.
„Dieses Portal ist für die ganzheitliche Betrachtung von Forschungsfragen notwendig“, erklärte Waltemath. Bislang müssten unterschiedliche Datenportale separat durchsucht und Anfragen einzeln gestellt werden. Zudem sei eine nachträgliche Harmonisierung der Daten häufig aufwendig. Das neue Portal soll diese Prozesse deutlich vereinfachen und damit schnellere Forschung mit größeren Datensätzen ermöglichen.
Unterstützung für die Projekte kommt auch aus der Leitung der Greifswalder Universitätsmedizin. Karlhans Endlich, wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, betonte die strategische Bedeutung der Initiativen für die zukünftige Entwicklung der Medizin. Die verbesserten Datenstrukturen könnten perspektivisch auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der medizinischen Forschung unterstützen, da entsprechende Systeme große Mengen hochwertiger Daten benötigen.
Das Netzwerk Universitätsmedizin wurde ursprünglich zur Koordination der COVID-19-Forschung gegründet und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Inzwischen arbeiten alle 37 Standorte der deutschen Universitätsmedizin in diesem Verbund zusammen, um gemeinsame klinische Forschungsprojekte durchzuführen und komplexe medizinische Daten besser nutzbar zu machen.




