BMG fördert Tiplu-Projekt zur Entwicklung eines intersektoralen FHIR-Datenmodells
Forschungsprojekt soll Grundlage für sektorenübergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten schaffen
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) fördert das Forschungsprojekt „Entwicklung eines intersektoralen FHIR-Datenmodells“ der Hamburger Tiplu GmbH. Ziel des bis Ende Februar 2026 laufenden Vorhabens ist es, eine zentrale technische Grundlage für die sektorenübergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten zu entwickeln – insbesondere vor dem Hintergrund der bundesweiten Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA).
Bislang werden medizinische Informationen häufig nur innerhalb einzelner Versorgungsbereiche genutzt, etwa im Krankenhaus oder in der ambulanten Praxis. Der strukturierte Austausch zwischen den Sektoren ist dagegen bislang begrenzt. Das geförderte Projekt setzt hier an und soll ein standardisiertes, interoperables Datenmodell auf Basis von FHIR entwickeln, das sektorübergreifende Versorgungspfade besser abbildet.
Fokus auf sektorenübergreifende Versorgungspfade
Nach Angaben des BMG liegt der Schwerpunkt des Projekts nicht auf einzelnen Dokumententypen, sondern auf der Abbildung kompletter Fallverläufe über mehrere Versorgungsstufen hinweg. Ziel sei es, Gesundheitsdaten langfristig für Versorgung, Forschung, Public Health und weitere medizinische Sekundärnutzungen verfügbar zu machen und zugleich bestehende Standards wie ISiK weiterzuentwickeln und integrierbar zu halten.
Thomas Süptitz (BMG) erläutert, dass damit bewusst ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werde, der über bisherige, stärker an Einzelanwendungen orientierte Modelle hinausgehe.
Grenzen der bisherigen ePA-Struktur
Die derzeitige ePA ermögliche zwar erstmals eine sichere digitale Ablage medizinischer Dokumente, beruhe jedoch überwiegend auf unstrukturierten PDF-Dateien, etwa bei Entlassbriefen. Diese seien für eine automatisierte Weiterverarbeitung nur eingeschränkt nutzbar.
Nach Einschätzung von Dr. Moritz Augustin, Geschäftsführer der Tiplu GmbH, liege der Schlüssel in der konsequenten Weiterentwicklung von Medizinischen Informationsobjekten (MIOs) und der strukturierten Erhebung von Behandlungsdaten als FHIR-Daten. Nur so könnten Informationen sektorenunabhängig genutzt und ohne zusätzliche Transformation in der ePA gespeichert werden.
Praktische Erprobung anhand realer Versorgungssituationen
Im Rahmen des Forschungsprojekts wird ein intersektorales Datenmodell entwickelt, das auf realen, anonymisierten Versorgungsdaten basiert. Dazu werden an einem Universitätsklinikum Patientendaten mithilfe des FHIR Clinical Data Repository (TipluDB) extrahiert und weiterverwendbar aufbereitet.
Auf dieser Basis werden verschiedene Nutzungsszenarien untersucht, darunter:
- die Darstellung einer intersektoralen Patientenakte über einen Viewer,
- die Einbindung strukturierter Daten in ein Patientenportal,
- die Erstellung KI-basierter Entlassbriefe,
- sowie Therapieempfehlungen auf Basis kuratierter Studien und Leitlinien.
Ziel ist es, zu zeigen, wie Gesundheitsdaten künftig direkt strukturiert erhoben und ohne Medienbrüche in die ePA integriert werden können.
Perspektive eines einheitlichen Bundesdatenmodells
Auf Grundlage der Projektergebnisse sollen Vorschläge für einen einheitlichen Datenkern des deutschen Gesundheitswesens erarbeitet werden. Dabei geht es auch um die Überwindung bestehender Hürden wie fehlender Schnittstellen und datengetrennter Silostrukturen.
Das Projekt ist Teil von EU-HIP (EU Interoperability with HERA’s IT Platform) und wird von der Europäischen Union kofinanziert. Langfristig soll es dazu beitragen, die ePA von einer reinen Dokumentenablage zu einer praxisorientierten, interoperablen FHIR-Patientenakte weiterzuentwickeln.




