„Von der Bürokratiewelle überrollt“ – NKG fordert konsequenten Bürokratieabbau in Krankenhäusern

Überdimensionale Aktion macht dokumentierte Belastung sichtbar – Forderungen für mehr Zeit am Patientenbett übergeben

Mit einer fünf Meter hohen symbolischen Welle aus Aktenordnern, Formularen und Gesetzestexten hat die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) am 28. August 2025 auf die zunehmende Bürokratie in Kliniken aufmerksam gemacht. Die Aktion unter dem Motto „Von der Bürokratiewelle überrollt“ verdeutlicht, wie Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte durch überbordende Dokumentationspflichten ausgebremst werden.

NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke warnte: „Die bürokratischen Anforderungen wachsen kontinuierlich, während bestehende Pflichten kaum hinterfragt werden. Diese Entwicklung wirkt sich negativ auf die Mitarbeitenden in den Krankenhäusern und die Versorgung aus. Wir brauchen eine klare Strategie zum Bürokratieabbau. Weniger Kontrolle um der Kontrolle willen und mehr Vertrauen in die Fachkompetenz des Personals in den Kliniken sind unerlässlich.“

Berechnungen der NKG zeigen: Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte verbringen in Niedersachsen durchschnittlich drei Stunden täglich mit Dokumentationsarbeiten. Eine Reduktion um nur eine Stunde würde rechnerisch mehr als 1.700 Vollkräfte im ärztlichen Dienst und rund 4.000 im Pflegedienst zusätzlich für die Patientenversorgung freisetzen.

Niedersachsens Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi betonte die Notwendigkeit bundesweiter Regelungsanpassungen: „Weder Patientinnen und Patienten noch dem Personal in den Krankenhäusern lässt sich in Zeiten des Fachkräftemangels logisch erklären, weshalb ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit aus vermeidbaren Verwaltungsaufgaben besteht. Ich freue mich über die konstruktive Zusammenarbeit mit der NKG und sichere allen Beteiligten zu, mich auf Bundesebene weiterhin für eine Entlastung bei den bürokratischen Tätigkeiten einzusetzen.“

Auch die Praxis meldet dringenden Handlungsbedarf: Dr. Alexander Poppinga, Vorstand Medizin am Evangelischen Krankenhaus Oldenburg, stellte klar: „Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte verbringen heute nahezu so viel Zeit am Schreibtisch wie am Bett der Patientinnen und Patienten oder im OP-Saal. Die Bürokratie nimmt weiter zu, ohne dass sie einen Mehrwert für die Patienten bietet. Die dabei verlorene Zeit geht zulasten der Patientenversorgung und gefährdet die Versorgungsqualität.“

Im Rahmen der Aktion übergab die NKG konkrete Vorschläge zur Entlastung: Dazu gehören vereinfachte Personalbemessung, schlankere Berichtspflichten, Reduktion des Prüfverfahrens durch den Medizinischen Dienst, Abschaffung redundanter Datenlieferungen, etwa durch den Bundes-Klinikatlas, sowie eine schnellere Anerkennung internationaler Fachkräfte. Ziel ist eine patientennahe und effiziente Versorgung sowie die nachhaltige Entlastung des Klinikpersonals.