NKG: Krankenhaus-Rating Report prognostiziert steigende Verluste, Stellenabbau und mögliche Klinikschließungen

Studie warnt vor massiven Folgen für Niedersachsens Kliniken

Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) warnt vor erheblichen Auswirkungen der geplanten Einsparungen im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Wie die NKG unter Berufung auf den aktuellen Krankenhaus-Rating Report berichtet, könnten die vorgesehenen Kürzungen bereits ab 2027 zu einer deutlichen wirtschaftlichen Verschlechterung der Krankenhäuser führen.

Die wissenschaftliche Untersuchung des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung sowie des Institute for Healthcare Business (hcb) kommt demnach zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2030 rund 70 Prozent der deutschen Kliniken Jahresverluste schreiben könnten, sofern keine strukturellen Anpassungen erfolgen. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass viele Krankenhäuser angesichts zunehmender Regulierung und Bürokratie nur eingeschränkte Möglichkeiten zur Senkung ihrer Betriebskosten haben.

Nach Darstellung der Studie müssten die Krankenhäuser ihre Personalkosten bis 2030 um durchschnittlich 8,5 Prozent reduzieren, um wirtschaftlich stabil zu bleiben. Gelinge dies nicht, seien Standortschließungen in größerem Umfang nicht auszuschließen. Der Report geht mittelfristig von bis zu 400 Klinikschließungen bundesweit aus.

Die NKG sieht insbesondere für Niedersachsen erhebliche Risiken. Verbandsdirektor Helge Engelke spricht von „verheerenden Auswirkungen“ auf die stationäre Versorgung. Gerade im ländlichen Raum drohe ein unkontrolliertes Wegbrechen von Versorgungsstrukturen. Zusätzlich seien erhebliche Arbeitsplatzverluste zu erwarten, da den Krankenhäusern kaum alternative Einsparpotenziale zur Verfügung stünden. Auch der Vorsitzende der NKG, Rainer Rempe, fordert eine politische Korrektur der geplanten Regelungen. Bund und Länder müssten die Auswirkungen im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigen und gegebenenfalls den Vermittlungsausschuss anrufen, falls keine Anpassungen erfolgen.

Für Niedersachsen beziffert die NKG den erwarteten Erlösausfall auf rund 750 Millionen Euro. Bundesweit könnten sich die Kürzungen auf etwa acht Milliarden Euro summieren. Laut Verband müssten rechnerisch mehr als 8.000 Vollzeitstellen in Niedersachsen eingespart werden, um diese Finanzierungslücke auszugleichen. Besonders betroffen wären nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft Bereiche wie Geburtshilfe, Allgemeine Innere Medizin und Notfallversorgung. In diesen Leistungsfeldern sei mit ersten Einschränkungen der Versorgung zu rechnen. Selbst Häuser der höchsten Notfallstufe könnten wirtschaftlich zusätzlich unter Druck geraten.

Darüber hinaus warnt die NKG vor längeren Fahrzeiten für Patientinnen und Patienten. Der Anteil der Bevölkerung mit mehr als 30 Minuten Wegzeit zum nächstgelegenen Krankenhaus könnte sich demnach deutlich erhöhen. Die Krankenhausgesellschaft fordert daher eine auskömmliche Finanzierung der Kliniken sowie einen Abbau regulatorischer Vorgaben. Nur so lasse sich eine stabile Versorgungsstruktur in Niedersachsen langfristig sichern, so die Einschätzung des Verbandes.

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