GKV-Finanzen 2025: Hoher Kostendruck und Milliardenlücke ab 2027

Die GKV steht 2025 trotz Überschuss unter massivem finanziellem Druck. Ausgaben steigen deutlich stärker als Einnahmen. Das BMG warnt vor Milliardenlücken ab 2027

Wie aus aktuellen Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit hervorgeht, steigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in den ersten drei Quartalen 2025 erneut deutlich stärker als die Einnahmen. Während die Beitragseinnahmen um 5,3 Prozent zulegten, wuchsen die Ausgaben um 7,8 Prozent und damit im gleichen Tempo wie bereits 2024.

Trotz dieser dynamischen Entwicklung erzielten die 94 Krankenkassen in den ersten neun Monaten 2025 einen Überschuss von 3,6 Milliarden Euro. Dieser dient jedoch primär dem Wiederaufbau der Finanzreserven, die im vergangenen Jahr durch die starke Ausgabendynamik deutlich gesunken waren. Die aktuellen Rücklagen liegen mit 0,19 Monatsausgaben weiterhin unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken betont angesichts der Zahlen die strukturellen Herausforderungen der GKV-Finanzierung:
„Die erzielten Überschüsse der Krankenkassen sollten keine falschen Schlüsse zulassen: Die gesetzliche Krankenversicherung steht unter größtem finanziellen Druck.“ Sie verweist auf ein bereits geschnürtes kurzfristiges Maßnahmenpaket für 2026 – dessen Umsetzung durch die Anrufung des → Vermittlungsausschusses jedoch verzögert wird und damit neue Unsicherheiten schafft.

Ausgabendynamik deutlich über langjährigem Durchschnitt

Der massive Ausgabenanstieg betrifft nahezu alle Leistungsbereiche, besonders jedoch die Krankenhäuser. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen um 9,9 Prozent bzw. 7,4 Milliarden Euro – mehr als doppelt so stark wie der Durchschnitt der Jahre 2013–2024 und noch über dem Rekordanstieg von 2024.

Hintergrund der Entwicklungen sind vor allem die deutlichen Vergütungssteigerungen sowie die Nachfinanzierung tariflicher Kosten aus 2024. Besonders stark steigen die psychiatrischen Behandlungskosten um 14,3 Prozent, während die Pflegepersonalkosten im Rahmen des Selbstkostendeckungsprinzips um 13,3 Prozent zunehmen. Auch die somatischen Leistungen, einschließlich ambulanter Behandlungen, verzeichnen mit 8,2 Prozent ein außergewöhnlich hohes Wachstum. Darüber hinaus entwickeln sich die Arzneimittelausgaben dynamisch, insbesondere im Bereich der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) mit +25 Prozent, ebenso steigen die ambulant-ärztlichen Leistungen um 7,6 Prozent und ambulante Operationen im Rahmen der Hybrid-DRGs um 18,8 Prozent. Weitere deutliche Zuwächse zeigen sich bei blankoverordneten Heilmitteln (+10,0 %), der außerklinischen Intensivpflege (+16,2 %) sowie den Fahrkosten (+10,1 %). Die Verwaltungskosten steigen mit 3,2 Prozent hingegen deutlich moderater.

Ausblick: Zusatzbeiträge 2026 steigen – Reformdruck wächst

Für 2026 wurde ein durchschnittlicher ausgabendeckender Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent festgelegt – ein Anstieg um 0,4 Prozentpunkte. Er entspricht damit dem tatsächlichen Durchschnittssatz der Krankenkassen im Jahr 2025. Die individuelle Festlegung der Zusatzbeiträge für 2026 liegt nun bei den Krankenkassen selbst. Maßgeblich wird sein, ob das geplante Maßnahmenpaket zur Ausgabenreduzierung um 2 Milliarden Euro berücksichtigt werden kann.

Weiteren Reformbedarf deutet das Ministerium klar an: Ab 2027 seien „Defizite in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten“, so Warken. Die FinanzKommission Gesundheit soll bereits im März Vorschläge zur kurzfristigen Stabilisierung vorlegen.

Die endgültigen Finanzergebnisse für 2025 werden Mitte Juni 2026 vorliegen.

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