Krankenhausreform als „Krankenhausrevolution“ – Kommerzialisierung trotz Entökonomisierungsrhetorik
Das Working Paper 1/2025 des Instituts für Health Policy Analysis & Consultancy (IHPAC) analysiert kritisch die Auswirkungen des Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG) der früheren Ampelkoalition auf den deutschen Krankenhaussektor.
Dipl. Pol. Kai Mosebach stellt dabei wettbewerbstheoretische Überlegungen zur Debatte und bewertet insbesondere die Verbindung von leistungsgruppenorientierter Planung, fallunabhängigem Vorhaltebudget und sektorenübergreifender Versorgung als eine fundamentale Umstrukturierung – eine sogenannte Krankenhausrevolution.Zentrale Thesen und Ergebnisse:
- Nordrhein-Westfalen als Blaupause:
Das KHVVG wird als Universalisierung des NRW-Modells beschrieben, in dem Leistungsgruppenplanung, Strukturvorgaben und Vorhaltefinanzierung miteinander verknüpft werden. - Ambivalenz der Reform:
Trotz des erklärten Ziels der „Entökonomisierung“ durch eine Vergütung entkoppelt vom Fallzahlenanreiz, verstärke die Reform die Kommerzialisierungsdynamik im Krankenhauswesen. - Oligopolisierung und Konzentration:
Die Zentralisierung von Leistungen und Klinikstandorten fördert eine oligopolistische Versorgungsstruktur, in der Krankenhausverbünde und private Träger zunehmend dominieren. - Austerität als Treiber:
In Zeiten anhaltender fiskalischer Austeritätspolitik begünstige die Reform Privatisierungs- und Konsolidierungsprozesse, insbesondere im Bereich elektiver Leistungen, die im Rahmen sektorenübergreifender Versorgung (transmurale Versorgung) als Wettbewerbsparameter fungieren. - Reduktion der Notfallversorgung:
Gleichzeitig werde die Notfallversorgung zunehmend auf ein „bedarfsminimales“ Niveau zurückgefahren – eine Entwicklung, die dem Anspruch flächendeckender Versorgung widerspricht.
Leitthese des Papiers:
„Die sogenannte Krankenhausrevolution des KHVVG markiert keine Entökonomisierung des Krankenhaussektors, sondern beschleunigt vielmehr die strukturelle Kommerzialisierung durch Konzentration, Marktlogik und sektorübergreifende Wettbewerbsdynamiken.“




