Fachkräftemangel in Kliniken: Wie Bürokratie und Kontrollzwang Personal binden
Fachkräftemangel gilt als Allzweck-Erklärung für die Probleme im Gesundheitswesen. Doch die eigentlichen Ursachen werden übersehen, kritisiert die Internistin und Marburger-Bund-Vertreterin Eleonore Zergiebel.
Seit Einführung der DRG-Fallpauschalen 2003 wachse die Bürokratie, während Ärzt:innen und Pflegekräfte immer stärker von der Patientenversorgung abgezogen würden. Strukturprüfungen, MD-Prüfungen, Qualitätsberichte und komplexe Abrechnungen führten zu einem massiven „brain drain“. Laut Deutscher Krankenhausgesellschaft bindet allein das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) künftig 5.000 Vollzeitkräfte – Kostenpunkt: 435 Mio. Euro.
Zergiebel rechnet vor: 566 Arztstunden für MD-Prüfungen bei 17.000 Fällen, 38 Stunden leitender Ärzt:innen für einen StrOPS-Antrag in der Palliativmedizin, 400 Stunden pro Klinik für QS-Bögen – bundesweit summiert auf 400.000 Arztstunden. „Eine unverantwortliche Verschwendung dringend benötigter ärztlicher Expertise“, so Zergiebel.
Forderungen: Eine bundesweite Krankenhausplanung nach NRW-Vorbild, echte Vorhaltefinanzierung, die Herauslösung ärztlicher Personalkosten aus dem DRG-System sowie die Eindämmung der milliardenschweren „Satellitenwirtschaft“ aus Prüf- und Abrechnungskosten.
„Beitragsgelder des Solidarsystems werden zweckentfremdet – sie fehlen direkt am Patientenbett“, warnt Zergiebel.




