DKG warnt: Zwei Drittel der Krankenhäuser schreiben Verluste – Krankenhaus-Barometer 2025
Das Krankenhaus-Barometer 2025 zeichnet ein deutliches Krisenbild: Zwei Drittel der Krankenhäuser arbeiten defizitär, Investitionen werden zurückgestellt und die Unsicherheit vor der Reform wächst. Die DKG warnt vor strukturellen Folgen für die Versorgung und fordert eine stabile, verlässliche Finanzierung sowie weniger politische Vorgaben.
Die wirtschaftliche Situation vieler Krankenhäuser in Deutschland bleibt kritisch. Nach Angaben des aktuellen Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) haben im Jahr 2024 rund 66 Prozent der Kliniken einen Jahresfehlbetrag ausgewiesen – fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Lediglich sechs Prozent der Häuser bewerten ihre wirtschaftliche Lage derzeit als „eher gut“. Für 2026 rechnen nur 13 Prozent mit einer Verbesserung.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die Branche an einem historischen Tiefpunkt. Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß bezeichnet die Ergebnisse als „alarmierend und ernüchternd zugleich“. Wörtlich erklärte er: „Die wirtschaftliche Situation unserer Kliniken hat einen historischen Tiefpunkt seit Einführung des Fallpauschalensystems vor mehr als 20 Jahren erreicht. Wenn zwei Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, bedroht dies die Existenz der Häuser und schränkt deren Möglichkeiten für notwendige Investitionen in Modernisierung und Digitalisierung ein.“
Nach Einschätzung der DKG seien die aktuellen Probleme das Ergebnis einer über Jahre unzureichenden Finanzierung, kombiniert mit politisch induzierten Kostensteigerungen und steigenden Personal- und Strukturvorgaben. Zugleich kritisiert der Verband fehlende Entlastung bei Bürokratie und laufenden Sparmaßnahmen.
Fehlende Planungssicherheit durch anstehende Reform
Besonders belastend wirkt aus Sicht der Kliniken die Unsicherheit im Zuge der geplanten Krankenhausreform. Laut Umfrage geben 90 Prozent der befragten Einrichtungen an, dass Planungssicherheit fehle – unter anderem bei zukünftigen Leistungsstrukturen, Fallzahlen und Liquidität. Viele Häuser verschieben daher Investitionen oder organisatorische Veränderungen.
Gaß fordert die Bundesregierung auf, eine „stabile und verlässliche Finanzierungsgrundlage“ zu schaffen und überbordende Personal- und Strukturvorgaben zu reduzieren. Andernfalls drohe eine Verschärfung der Versorgungssituation und die Entwicklung hin zu einer „Wartelistenmedizin“.
Krisen- und Notfallresilienz weiter im Fokus
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen rückt laut Krankenhaus-Barometer zunehmend auch die Krisenfestigkeit der Kliniken in den Blick. Nahezu alle Einrichtungen verfügen über Alarm- und Einsatzpläne für technische Störungen oder Gesundheitskrisen. Bei längerfristigen Blackout-Szenarien jedoch zeigt sich eine begrenzte strukturelle Widerstandskraft:
43 Prozent der Krankenhäuser könnten einen Stromausfall mindestens drei Tage überbrücken, nur jede zehnte Klinik wäre in der Lage, die Versorgung bei einem mehrtägigen Ausfall uneingeschränkt aufrechtzuerhalten.
Die Ergebnisse beruhen auf einer repräsentativen Befragung von 376 Allgemeinkrankenhäusern ab 100 Betten, die zwischen Mitte Mai und Mitte Juli 2025 durchgeführt wurde.






