„Mehr Patientensicherheit“ zieht positive Zwischenbilanz
Webportal verzeichnet über 1.800 Fallberichte und öffnet sich für weitere Krankenkassen
Das Webportal „Mehr Patientensicherheit“ zieht zwei Jahre nach seinem Start eine positive Zwischenbilanz. Seit dem Launch im Februar 2024 haben Versicherte und ihre Angehörigen mehr als 1.800 Erfahrungsberichte aus der Gesundheitsversorgung eingereicht. Ziel der Plattform ist es, aus den geschilderten Fällen systematische Erkenntnisse zur Verbesserung der Patientensicherheit zu gewinnen.
Initiiert wurde das Portal vom Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) gemeinsam mit den Mitgliedskassen TK, BARMER, DAK-Gesundheit, KKH, hkk und HEK. Unterstützt wird das Projekt vom Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten, Stefan Schwartze (MdB). Nach Angaben der Projektbeteiligten soll die Laufzeit mindestens bis Ende 2026 fortgeführt werden. Zudem wurde das Portal inzwischen für weitere Krankenkassen geöffnet, darunter auch Betriebskrankenkassen, die sich dem Projekt angeschlossen haben.
Die eingegangenen Berichte decken ein breites Spektrum der Versorgung ab – von Krankenhausaufenthalten über ambulante Behandlungen bis hin zu Leistungen von Pflegediensten. Nach Projektangaben kam es in rund 60 Prozent der gemeldeten Fälle zu einem Patientenschaden, häufig infolge vermeidbarer Ereignisse. Die Initiatoren sehen darin einen deutlichen Hinweis auf weiterhin bestehende Sicherheitsrisiken im Gesundheitswesen.
vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner betonte, dass die große Beteiligung der Versicherten zeige, wie stark das Thema Patientensicherheit in der Bevölkerung verankert sei. Die bisher etablierten Meldesysteme hätten sich vor allem auf medizinisches Fachpersonal konzentriert, während die Patientenperspektive bislang weniger systematisch erfasst worden sei. Genau hier setze das Portal an, indem es Erfahrungen direkt Betroffener strukturiert auswerte.
Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Stefan Schwartze, hob die Bedeutung der Plattform hervor. Patientensicherheit sei ein grundlegender Bestandteil medizinischer Versorgung und dürfe nicht als Zusatz verstanden werden. Entscheidend sei, dass die gemeldeten Erfahrungen nicht nur gesammelt, sondern in konkrete Verbesserungen im Versorgungssystem überführt würden.
Die eingehenden Berichte werden anonymisiert erfasst und durch ein spezialisiertes Team der Deutschen Gesellschaft für Patientensicherheit (DGPS) ausgewertet. Aus besonders relevanten Fällen werden sogenannte Fokusfälle abgeleitet, die typische Risiken im Versorgungsgeschehen sichtbar machen sollen. Dazu zählen etwa verzögerte Diagnosen oder Behandlungsverwechslungen. Ergänzend werden praxisnahe Handlungsempfehlungen für Versicherte entwickelt, die sich beispielsweise auf die Anschlussversorgung nach Krankenhausaufenthalten oder die Vermeidung von Komplikationen beziehen.
Neben textlichen Auswertungen werden ausgewählte Fälle auch in Kurzvideos oder Social-Media-Formaten aufbereitet, um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Erkenntnisse zudem gezielt an Akteure im Gesundheitswesen, darunter Berufsverbände, Patientenorganisationen sowie Krankenhäuser, weitergegeben werden.
Mit der Öffnung für weitere Krankenkassen und der geplanten Fortführung bis mindestens Ende 2026 soll das Portal künftig eine noch breitere Datengrundlage für die systematische Verbesserung der Patientensicherheit schaffen.






