Bund fördert Altersforschung in Greifswald mit 2,6 Mio. Euro
Universitätsmedizin untersucht Zusammenhang zwischen Nierenfunktion und Gebrechlichkeit – Projekt soll die hausärztliche Versorgung älterer Menschen stärken
Die Universitätsmedizin Greifswald erhält für die Fortsetzung ihres Forschungsprojekts SHIP-AGE/MV-FIT rund 2,6 Millionen Euro vom Bund. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine eingeschränkte Nierenfunktion mit der Entwicklung körperlicher Gebrechlichkeit im Alter zusammenhängt. Die Ergebnisse sollen helfen, gesundheitliche Risiken früher zu erkennen, die Selbstständigkeit älterer Menschen zu erhalten und die hausärztliche Versorgung im ländlichen Mecklenburg-Vorpommern zu unterstützen.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt stellt für die zweite Förderphase von Oktober 2026 bis September 2029 insgesamt 2.584.117,50 Euro bereit. Geleitet wird das Projekt von Prof. Maik Gollasch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin D (Geriatrie) der Universitätsmedizin Greifswald.
Nierenfunktion als möglicher Risikofaktor für Gebrechlichkeit
Die Forschenden untersuchen den Zusammenhang zwischen Nierenfunktion und sogenannter Frailty. Darunter wird eine erhöhte körperliche Verletzlichkeit verstanden, die mit nachlassender Muskelkraft, eingeschränkter Mobilität und einem erhöhten Risiko für Stürze, Krankenhausaufenthalte und Pflegebedürftigkeit einhergehen kann.
Während chronische Nierenerkrankungen als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt sind, ist ihr Zusammenhang mit der Entwicklung von Frailty bislang nicht ausreichend geklärt.
Nach Angaben von Projektleiter Gollasch weisen in Mecklenburg-Vorpommern etwa zwei Drittel der 75-Jährigen eine eingeschränkte Nierenfunktion auf, teilweise ohne zuvor bekannte Nierenerkrankung. Das Forschungsprojekt soll untersuchen, welchen Einfluss solche Veränderungen auf den weiteren Gesundheitsverlauf haben.
Langzeitdaten und wiederholte Untersuchungen
Das Vorhaben kombiniert Daten aus zwei Forschungsansätzen. Zum einen werden Informationen von rund 2.100 Personen ab 60 Jahren aus der Bevölkerungsstudie SHIP ausgewertet. Diese ermöglichen die Nachverfolgung gesundheitlicher Entwicklungen über einen Zeitraum von bis zu 24 Jahren.
Zum anderen wurden im Projekt SHIP-AGE/MV-FIT bereits 913 Personen ab 65 Jahren in der ersten Förderphase untersucht. In der nun beginnenden zweiten Phase stehen weitere Untersuchungen und die Analyse individueller Gesundheitsverläufe im Vordergrund.
Erfasst werden unter anderem Gehgeschwindigkeit, Handkraft, die Fähigkeit zum Aufstehen aus einem Stuhl sowie Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alltag. Hinzu kommt eine direkte Messung der Nierenfilterleistung.
Anschließend vergleichen die Wissenschaftler die gesundheitliche Entwicklung von Menschen mit erhaltener und mäßig eingeschränkter Nierenfunktion. Auf diese Weise sollen mögliche Zusammenhänge zwischen Nierenfunktion, körperlicher Leistungsfähigkeit und Gebrechlichkeit genauer untersucht werden.
Zusammenarbeit mit mehr als 300 Hausarztpraxen
Neben der wissenschaftlichen Auswertung verfolgt das Projekt einen unmittelbaren versorgungsbezogenen Ansatz. Die Studienteilnehmenden erhalten individuelle ärztliche Befundberichte und Empfehlungen, die auch ihren behandelnden Hausarztpraxen zur Verfügung stehen können.
Dazu zählen beispielsweise Bewegungsangebote, die Überprüfung bestehender Arzneimitteltherapien, Ernährungsempfehlungen und Maßnahmen zur Sturzprävention.
Über die Teilnehmenden bestehen bereits Verbindungen zu mehr als 300 Hausarztpraxen in Mecklenburg-Vorpommern. Ein wichtiger Studienstandort ist das Altersmedizinische Zentrum in Wolgast.
Die Greifswalder Forschenden wollen damit Erkenntnisse aus der Altersmedizin stärker in die wohnortnahe Primärversorgung übertragen. Gerade in ländlichen Regionen könnten frühzeitige Risikoerkennung und individuell angepasste Präventionsmaßnahmen dazu beitragen, die Selbstständigkeit älterer Menschen länger zu erhalten.
Internationale Vernetzung der Altersforschung
Das Projekt ist zudem in das internationale Global Healthspan Extension Consortium eingebunden. Das Forschungsnetzwerk umfasst nach Angaben der Universitätsmedizin acht Langzeitkohorten und zehn klinische Studien mit insgesamt mehr als 178.000 Teilnehmenden.
Mit den Greifswalder Studien SHIP und SHIP-AGE/MV-FIT sollen Erkenntnisse aus Vorpommern in die internationale Forschung zu biologischen Alterungsprozessen und Gebrechlichkeit einfließen.
Die zweite Förderphase soll damit sowohl die wissenschaftlichen Grundlagen zur Entstehung von Frailty erweitern als auch Ansätze für eine frühzeitige und bedarfsgerechte Versorgung älterer Menschen entwickeln. Ob sich daraus konkrete Verbesserungen bei Krankenhausaufnahmen, Pflegebedürftigkeit oder Versorgungsverläufen ergeben, muss die weitere Forschung zeigen.ö







