Barmer-Report zeigt große Unterschiede bei Notfallbehandlungen
Ambulante Notfallfälle entwickeln sich regional sehr unterschiedlich – DKG fordert bessere Finanzierung und mehr Gesundheitskompetenz
Die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen in deutschen Krankenhäusern ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Nach dem am 27. Oktober 2026 vorgestellten Barmer-Krankenhausreport erhöhte sich die bundesweit hochgerechnete Fallzahl zwischen 2015 und 2024 von 12,3 auf 12,7 Millionen. Hinter der vergleichsweise moderaten Gesamtentwicklung verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Krankenhäusern und Bundesländern. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert als Reaktion neben einer besseren Patientensteuerung auch eine ausreichende Finanzierung der Notaufnahmen.
Nach den Ergebnissen des Krankenhausreports nahm die Zahl ambulanter Notfallbehandlungen je Krankenhaus im untersuchten Zeitraum durchschnittlich um 8,7 Prozent zu. In etwa jedem zehnten Krankenhaus verdoppelte sich das Fallaufkommen sogar.
Während rund 40 Prozent der Krankenhäuser einen durchschnittlichen Anstieg von 39 Prozent verzeichneten, gingen die Behandlungszahlen bei weiteren 40 Prozent im Mittel um 26 Prozent zurück. Die Entwicklung verlief damit innerhalb der Krankenhauslandschaft äußerst unterschiedlich.
Regionale Unterschiede bei ambulanten Notfällen
Besonders deutlich wird die unterschiedliche Inanspruchnahme im Vergleich der Bundesländer. Zwischen 2015 und 2024 stiegen die ambulanten Notfallbehandlungen in Rheinland-Pfalz um 19,9 Prozent und in Nordrhein-Westfalen um 18,7 Prozent. In Bremen gingen sie dagegen um 15 Prozent und in Berlin um 14,6 Prozent zurück.
Auch die bevölkerungsbezogene Inanspruchnahme unterscheidet sich erheblich. Baden-Württemberg verzeichnete 2024 rund 50 Prozent mehr ambulante Notfallbehandlungen in Krankenhäusern als im Bundesdurchschnitt. Thüringen lag knapp 22 Prozent darunter.
Barmer-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Christoph Straub sieht in der Entwicklung weiteren Handlungsbedarf bei der Steuerung von Patientinnen und Patienten. Die Krankenkasse spricht sich für eine verbindliche, digital unterstützte Ersteinschätzung und die gezielte Vermittlung in geeignete Versorgungsangebote aus.
DKG fordert Finanzierung und Gesundheitsbildung
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft bewertet die steigende Belastung der Notaufnahmen ebenfalls kritisch, verweist jedoch zusätzlich auf strukturelle Finanzierungsprobleme.
DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß fordert eine ausreichende Finanzierung der Notaufnahmen, verfügbare Behandlungsalternativen im niedergelassenen Bereich und eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung.
Nach Auffassung der DKG sollten insbesondere die Krankenkassen stärker darüber informieren, wann eine Krankenhausnotaufnahme erforderlich ist und welche anderen Versorgungswege zur Verfügung stehen. Dazu gehöre auch eine bessere Bekanntmachung der Rufnummer 116117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.
Die DKG sieht in der gezielten Patienteninformation einen wichtigen Ansatz, um nicht dringliche Behandlungen stärker in die ambulante Versorgung zu verlagern.
Notfallreform soll Patientensteuerung verbessern
Mit der am 15. Oktober 2026 vom Bundestag beschlossenen Reform der Notfallversorgung sollen die verschiedenen Versorgungsbereiche enger miteinander vernetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem Integrierte Notfallzentren, digital unterstützte Ersteinschätzungsverfahren und eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Rufnummern 112 und 116117. (1)
Für die Krankenhäuser verdeutlichen die Barmer-Ergebnisse, dass sich der Bedarf an ambulanter Notfallversorgung regional unterschiedlich entwickelt. Die Planung künftiger Notfallstrukturen muss deshalb sowohl die tatsächliche Inanspruchnahme als auch verfügbare ambulante Versorgungsangebote, personelle Ressourcen und regionale Besonderheiten berücksichtigen.







