Deutscher Pflegerat fordert eigene Selbstverwaltung für die Pflege

Landesregierungen sollen verbindliche Strukturen für den Heilberuf Pflege schaffen

Der Deutscher Pflegerat (DPR) fordert gemeinsam mit den Landespflegeräten eine stärkere strukturelle Verankerung der professionellen Pflege im deutschen Gesundheitssystem. Aus Sicht des Dachverbands müsse die Pflege – als größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen – eigene Selbstverwaltungsstrukturen erhalten, um ihre Expertise systematisch in gesundheitspolitische Entscheidungen einbringen zu können.

Der DPR sieht in der bislang fehlenden Selbstverwaltung der Pflege einen strukturellen Mangel im deutschen Gesundheitssystem. Während andere Gesundheitsprofessionen über eigene Selbstverwaltungsorgane verfügten, sei die Pflege in zentralen Entscheidungsstrukturen bislang nicht gleichberechtigt vertreten. Dies führe zu fragmentierten Zuständigkeiten und einer geschwächten Rolle der Profession im Versorgungssystem.

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, betont die Bedeutung einer eigenständigen beruflichen Vertretung: „Die Profession Pflege braucht eine eigene berufsständische Selbstverwaltung, um im System wirksam vertreten zu sein. Nur so kann pflegefachliches Wissen dort einfließen, wo über Versorgung, Strukturen und Qualität entschieden wird.“

Der DPR richtet seine Forderung insbesondere an die Bundesländer. Diese seien verantwortlich für die Schaffung geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen, etwa durch Pflegekammern oder vergleichbare Körperschaften des öffentlichen Rechts mit entsprechenden hoheitlichen Aufgaben.

Nach Auffassung des Verbands übernimmt die Pflege bereits heute zentrale Aufgaben in der Gesundheitsversorgung sowie im Bevölkerungsschutz und in Krisensituationen. Ohne entsprechende strukturelle Einbindung könne diese Verantwortung jedoch nicht ausreichend wahrgenommen werden.

„Pflege trägt hohe Verantwortung für die Gesundheitsversorgung, den Bevölkerungsschutz und die Bewältigung von Krisen und Katastrophen. Ohne sie ist eine Versorgung nicht möglich“, erklärte Vogler. Die Forderung wurde im Rahmen einer Tagung des Deutschen Pflegerats mit den Landespflegeräten in Berlin diskutiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Pflegefachwissen stärker in Entscheidungsprozesse integriert werden kann – sowohl im Versorgungsalltag als auch in Krisensituationen. Nach Einschätzung der Beteiligten sind dafür verbindliche Strukturen notwendig, in denen Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar an die Pflegeprofession übertragen werden können.

Internationale Beispiele für Selbstverwaltung

International ist die Selbstverwaltung der Pflege in vielen Gesundheitssystemen bereits etabliert. Dort verfügen Pflegeprofessionen über eigenständige Organisationen, die berufliche Standards entwickeln, Qualitätsfragen begleiten und die Profession in gesundheitspolitischen Entscheidungsprozessen vertreten.

Der Deutsche Pflegerat fordert daher, entsprechende Strukturen auch bundesweit in Deutschland aufzubauen oder bestehende Initiativen in den Ländern dauerhaft zu stärken. „Pflege und ihre Weiterentwicklung gibt es nicht zum Nulltarif“, so Vogler. Versorgungssicherheit und Qualität erforderten langfristige Strukturen, die unabhängig von politischen Legislaturperioden funktionieren.

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