München Klinik Harlaching: Ärzte warnen vor Intensivkürzungen
Geplante Zusammenlegung von drei Intensivteams sorgt für Kritik – Marburger Bund fordert Überprüfung der Personalbemessung und Patientensicherheit
An der München Klinik Harlaching wächst der Widerstand gegen die geplante Neuorganisation der intensivmedizinischen Versorgung. Ab Januar 2027 sollen die bisher eigenständigen ärztlichen Teams der internistischen, anästhesiologischen und neurologischen Intensivstation zusammengelegt und personell reduziert werden. Für zunächst 18, perspektivisch bis zu 24 Intensivbetten sind nach Angaben der Beschäftigten 18,5 ärztliche Vollkräfte vorgesehen. Die Ärzteschaft und der Marburger Bund Bayern warnen vor möglichen Gefährdungen der Patienten- und Notfallversorgung.
In einem Schreiben vom 27. Oktober 2026 an die Münchner Stadtspitze, den Aufsichtsrat und die Kommunalpolitik kritisieren die betroffenen Ärzte die vorgesehene Personalbemessung. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, würden nach ihren Berechnungen künftig lediglich zwei ärztliche Dienstschienen für die drei bislang räumlich getrennten Intensivstationen zur Verfügung stehen. Eine durchgehende fachärztliche Betreuung durch alle drei Disziplinen sehen sie damit gefährdet. (1)
Notfallaufgaben verschärfen Anforderungen an die Personalvorhaltung
Neben der Versorgung kritisch erkrankter Patienten übernehmen die Intensivmediziner weitere Aufgaben für das gesamte Krankenhaus. Dazu zählen Reanimationen, Schockraumeinsätze, geburtshilfliche Notfälle und überregionale ECMO-Einsätze.
Die München Klinik Harlaching ist unter anderem überregionales Traumazentrum, Cardiac Arrest Center, ECMO-Zentrum und Perinatalzentrum Level 1.
Nach Einschätzung der Beschäftigten könnte die reduzierte ärztliche Präsenz insbesondere dann problematisch werden, wenn mehrere zeitkritische Notfälle gleichzeitig auftreten. Sie befürchten Verzögerungen bei notwendigen intensivmedizinischen Maßnahmen und wollen mögliche Unterbesetzungen künftig durch Gefährdungsanzeigen dokumentieren.
München Klinik verweist auf veränderte Leistungszahlen
Die Geschäftsführung weist die Kritik an der geplanten Neuorganisation nicht pauschal zurück, hält die Anpassung der Personalstruktur jedoch für notwendig.
Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt erklärte die München Klinik, dass heute weniger Patienten mit mehr Personal als vor der Corona-Pandemie behandelt würden. Der Personalbedarf müsse deshalb an die aktuelle Leistungsentwicklung angepasst werden.
Zudem verweist das Unternehmen auf den Klinikneubau in Harlaching. Dort soll die intensivmedizinische Versorgung künftig erstmals auf einer gemeinsamen Ebene in einer räumlich zusammenhängenden Einheit stattfinden. Die neue Infrastruktur biete damit andere organisatorische Voraussetzungen für die Zusammenarbeit der bislang getrennten Teams.
Nach Angaben der Geschäftsführung sollen die Beteiligten einschließlich des Betriebsrats in die Umsetzung eingebunden werden. Ziel bleibe eine sichere und qualitativ hochwertige Patientenversorgung.
Marburger Bund fordert unabhängige Prüfung
Der Marburger Bund Bayern unterstützt die Kritik der Ärzteschaft und fordert den Aufsichtsrat auf, die geplante Umstrukturierung in seiner Sitzung am 29. Oktober zu überprüfen.
Die Gewerkschaft verlangt insbesondere die Offenlegung der Berechnungsgrundlagen für die ärztliche Personalbemessung sowie eine unabhängige Bewertung der Auswirkungen auf Patientensicherheit, Notfallversorgung und ärztliche Weiterbildung.
Ein tragfähiges Konzept müsse gemeinsam mit der Ärzteschaft, der Pflege und dem Betriebsrat entwickelt werden. Zudem fordert der Marburger Bund, die Umsetzung in der vorgesehenen Form und im bisherigen Zeitplan auszusetzen. (2)
Ob und in welchem Umfang die Planungen nach der Aufsichtsratssitzung angepasst werden, ist derzeit offen. Konkrete Einschränkungen der intensivmedizinischen Versorgung oder bereits eingetretene Patientenschäden infolge der für Januar vorgesehenen Neuorganisation sind bislang nicht belegt.







