Marienhaus Klinikum Neunkirchen wird bundesweit zur ersten Fachklinik für Mutter und Kind umgewandelt
Marienhaus-Gruppe und saarländisches Gesundheitsministerium vereinbaren innovative Neuausrichtung zur Vermeidung von Doppelstrukturen
Nach monatelangen Verhandlungen steht die Zukunft der Krankenhauslandschaft im Landkreis Neunkirchen fest: Das saarländische Gesundheitsministerium und die Marienhaus-Gruppe haben am 20. April 2026 ein wegweisendes Umstrukturierungskonzept vorgestellt. Um personelle und wirtschaftliche Doppelstrukturen abzubauen, wird das Marienhaus Klinikum Neunkirchen zu einer spezialisierten Fachklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin umgewandelt. Im Gegenzug werden die allgemeine Chirurgie und Innere Medizin am benachbarten Diakonie Klinikum konzentriert.
Die Einigung markiert das Ende einer intensiven Debatte um die stationäre Versorgung im Saarland. Kern der Strategie ist die konsequente Profilbildung: Während das Diakonie Klinikum Neunkirchen künftig als zentraler Anker für die somatische Notfallversorgung, Innere Medizin und Chirurgie gestärkt wird, schlägt das Marienhaus Klinikum einen bundesweit innovativen Weg ein. Als spezialisierter Schwerpunktversorger für Frauen, Mütter und Kinder bündelt das Haus künftig Expertise in der Gynäkologie und Pädiatrie, ergänzt durch eine Kinder-Intensivstation und ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ). Ursprüngliche Pläne, die Geburtshilfe nach St. Wendel zu verlagern, sind damit endgültig vom Tisch.
Gesundheitsminister Magnus Jung betonte die Notwendigkeit dieses Schrittes: Zwei Krankenhäuser mit identischem Angebot in nur fünf Kilometern Entfernung seien dauerhaft weder wirtschaftlich noch personell tragfähig. Durch die Spezialisierung werde nicht nur die medizinische Qualität durch höhere Fallzahlen in den Fachbereichen gesteigert, sondern auch ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das die steigende Nachfrage in der Kinder- und Jugendmedizin bedient. Ergänzt wird das Angebot durch ein neues MVZ sowie spezifische Betreuungsangebote der Marienhaus Kinder- und Jugendhilfe, was einen sektorübergreifenden Versorgungsansatz unterstreicht.
Für die Marienhaus-Gruppe bedeutet die Transformation eine langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Laut Sebastian Spottke, Vorsitzender der Geschäftsführung, ermöglicht der Kompromiss dem Träger, trotz des schwierigen Wandels im Gesundheitswesen als Schwerpunktversorger präsent zu bleiben. Auch der Standort St. Wendel profitiert von der Einigung und soll in seinen bestehenden Fachgruppen, inklusive der konservativen Orthopädie, nachhaltig gestärkt werden. Die strukturellen Veränderungen sollen frühestens zum 1. Januar 2027 greifen, wobei das Land Investitionshilfen für die notwendigen Umbaumaßnahmen zugesagt hat.






