GeDIG-Entwurf: Verbände kritisieren fehlende Versorgungsvision

Pflegeverbände sehen Defizite bei Strategie, Finanzierung und sektorenübergreifender Ausrichtung

Das Verbändebündnis Digitalisierung in der Pflege hat den Referentenentwurf zum Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) des Bundesgesundheitsministeriums grundsätzlich begrüßt, zugleich jedoch deutliche Nachbesserungen gefordert. Wie das Bündnis am 26. Juni 2026 in einem Positionspapier darlegt, fehle dem Entwurf eine klare strategische Ausrichtung auf eine sektorenübergreifende Versorgung. Kritisiert werden zudem eine unzureichende Einbindung der Pflege sowie offene Finanzierungsfragen.

Der GeDIG-Entwurf sieht umfassende Maßnahmen zur Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte, zum Ausbau der Telematikinfrastruktur und zur Förderung der Interoperabilität im Gesundheitswesen vor. Auch die stärkere Nutzung von Gesundheitsdaten sowie die Umsetzung europäischer Vorgaben zum Gesundheitsdatenraum sind zentrale Bestandteile. Nach Einschätzung des Bündnisses bleibe jedoch unklar, welches übergeordnete Versorgungsziel mit den Digitalisierungsmaßnahmen erreicht werden solle.

Im Zentrum der Kritik steht die fehlende Vision einer sektorenübergreifend vernetzten Versorgung. Die Digitalisierung bestehender Strukturen reiche nicht aus, um die Herausforderungen des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels und der Versorgungssteuerung zu bewältigen. Digitale Lösungen müssten stärker darauf ausgerichtet sein, Versorgungsprozesse zwischen ambulantem, stationärem und pflegerischem Bereich tatsächlich zu verbinden, anstatt bestehende Sektorengrenzen lediglich technisch abzubilden.

Besonders deutlich äußert sich das Bündnis zur Rolle der Pflege. Diese sei als eigenständiger Akteur im Gesundheitswesen bislang nicht ausreichend in die Entwicklung digitaler Anwendungen eingebunden. Pflege, Rehabilitation und Eingliederungshilfe müssten verbindlich sowohl an der Entwicklung als auch an der Nutzung digitaler Prozesse beteiligt werden, um praxisnahe und sektorenübergreifende Lösungen sicherzustellen.

Auch die Umsetzungsgeschwindigkeit digitaler Projekte wird kritisch bewertet. Wiederholte Verzögerungen bei Anwendungen wie elektronischen Verordnungen oder digitalen Medikationsprozessen hätten zu erheblichen Unsicherheiten bei Leistungserbringern und Industrie geführt. Das Bündnis fordert daher verbindliche Zeitpläne, klare Umsetzungsvorgaben und stabile technische Rahmenbedingungen.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die Finanzierung. Der Entwurf verpflichte Leistungserbringer zu umfangreichen Digitalisierungsmaßnahmen, ohne eine dauerhafte Refinanzierung sicherzustellen. Gleichzeitig werde der finanzielle Aufwand für die Industrie nach Ansicht des Bündnisses nicht realistisch abgebildet. Gefordert wird daher eine verlässliche und langfristige Finanzierung digitaler Infrastruktur sowie eine präzisere Bewertung des Erfüllungsaufwands.

Positiv bewertet das Verbändebündnis hingegen die geplante Stärkung der Interoperabilität. Damit die Telematikinfrastruktur ihr Potenzial als Rückgrat einer digitalen Versorgung entfalten könne, müsse sie jedoch konsequent sektorenübergreifend ausgestaltet werden. Entscheidend sei zudem die Nutzung standardisierter, strukturierter Daten entlang der gesamten Versorgungskette, einschließlich pflegerischer Informationen.

Auch die verstärkte Nutzung von Gesundheitsdaten wird grundsätzlich unterstützt, allerdings an klare Bedingungen geknüpft. Daten dürften nicht lediglich erhoben, sondern müssten in konkreten Versorgungsvorteile überführt werden. Transparenz, Datenschutz und ein nachvollziehbarer Nutzen für Versicherte seien dabei zwingende Voraussetzungen.

Insgesamt kommt das Bündnis zu dem Schluss, dass der GeDIG-Entwurf zwar wichtige digitale Impulse setze, jedoch hinter den Anforderungen einer umfassenden Versorgungsstrategie zurückbleibe. Ohne eine klare Vision für eine sektorenübergreifende, vernetzte Versorgung drohe die Digitalisierung im Gesundheitswesen hinter ihren eigenen Möglichkeiten zurückzubleiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert