DKI-Umfrage: Krankenhäuser treiben Einführung der elektronischen Patientenakte voran

Pilotprojekte zeigen Fortschritte, doch technische und organisatorische Hürden bleiben

Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in deutschen Krankenhäusern gewinnt an Dynamik, bleibt aber ein herausforderndes Transformationsprojekt. Eine aktuelle Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) unter 489 Häusern zeigt: 40 Prozent der Kliniken haben bereits mit der Pilotierung der ePA in den Versorgungsprozessen begonnen – im Spätsommer 2025 lag dieser Wert noch bei sieben Prozent. Trotz dieser Fortschritte behindern technische Schwierigkeiten und organisatorische Komplexität eine flächendeckende Nutzung.

90 Prozent der Häuser haben die technische Inbetriebnahme gestartet, doch 18 Prozent verfügen auch mehr als fünf Monate nach der bundesweiten Nutzungsverpflichtung noch nicht über ein Update ihres Krankenhausinformationssystems (KIS). Die verzögerte Softwarebereitstellung setzt einige Kliniken unter Druck, ab dem 1. April Kürzungen der TI-Pauschale hinzunehmen.

Ein zentrales Problem ist die Praxistauglichkeit der Lösungen: Funktionen für Upload-Automatismen fehlen häufig, Dokumente müssen teils manuell hochgeladen werden. „Die Krankenhäuser leisten ihren Teil der Hausaufgaben, aber die Lösungen in den Primärsystemen sind noch nicht gut nutzbar. Fehlende Automatismen erzeugen im ohnehin belasteten Klinikalltag einen Mehraufwand, der die Akzeptanz der ePA gefährdet“, erklärt Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Die Umfrage verdeutlicht zudem, dass die ursprünglichen Zeitpläne zu ambitioniert waren. Die Eignungsfeststellung für den bundesweiten Rollout erfolgte aus Sicht der Kliniken zu früh. Viele Pilothäuser hatten zu diesem Zeitpunkt noch keine praktische Erfahrung mit der ePA. Hinzu kommen komplexe rechtliche Anforderungen, etwa beim Umgang mit Patienten-Widersprüchen oder dem Schutz besonders sensibler Daten wie gendiagnostischer Befunde.

Der Ausblick bleibt herausfordernd: 43 Prozent der befragten Häuser rechnen erst ab dem dritten Quartal 2026 mit einer krankenhausweiten Nutzung der ePA. Neumeyer betont: „Die Einführung der ePA ist ein echtes Transformationsprojekt. Nach der späten Bereitstellung der Lösungen benötigen die Krankenhäuser Zeit für technische Inbetriebnahme und prozessuale Integration. Künftige Umsetzungsfristen sollten diesem Umstand stärker Rechnung tragen, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden und die Akzeptanz der ePA zu erhöhen.“

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