WIdO-Analyse zum Pflegebudget greift zu kurz – Deutscher Pflegerat warnt vor verkürzten Schlussfolgerungen
DPR fordert bedarfsgerechte Personalbemessung statt einseitiger ökonomischer Betrachtung
Die jüngste Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zum Pflegebudget in deutschen Krankenhäusern stößt beim Deutschen Pflegerat (DPR) auf Kritik. Zwar erkennt der DPR die dokumentierten Kostensteigerungen und Veränderungen im Pflegepersonal an, er warnt jedoch davor, daraus verkürzte oder irreführende Schlussfolgerungen zu ziehen.
Laut DPR konzentriere sich die WIdO-Analyse zu stark auf Ausgaben und Mengen, vernachlässige jedoch pflegefachliche, arbeitsmarktpolitische und versorgungsrelevante Zusammenhänge. Christine Vogler, Präsidentin des DPR, betont: „Steigende Ausgaben allein sagen nichts über Fehlsteuerung aus. Sie zeigen vor allem, wie groß der Rückstand bei der Besetzung von Pflegepersonalstellen über Jahre war.“
Fallzahlen spiegeln Pflegebedarf nicht wider
Problematisch sei insbesondere die Verbindung sinkender Fallzahlen mit einer Infragestellung des Personalaufwuchses. „Fallzahlen bilden Pflegebedarf nur unzureichend ab. Leichtere Fälle werden zunehmend ambulant behandelt, während im Krankenhaus komplexere Patient:innen verbleiben. Mehr Personal pro Fall ist kein Luxus, sondern notwendig für Patient:innensicherheit und Versorgungsqualität“, erklärt der DPR.
Bedarfsgerechte Personalbemessung statt Zahlenspiele
Die WIdO-Analyse definiere keine fachliche Sollgröße für Personal, sodass Aussagen über „zu viel“ Pflegepersonal fachlich nicht belastbar seien. Auch Verschiebungen von Pflegepersonal aus der Langzeitpflege in Krankenhäuser würden verkürzt dargestellt. Wesentliche Abwanderungen hätten vor 2022 stattgefunden, bevor Tarifregelungen in der Langzeitpflege fairere Bedingungen geschaffen hätten.
Darüber hinaus betont der DPR, dass Mindestuntergrenzen kein Instrument zur Personalbemessung seien. Ihre Einhaltung sei ein Mindestschutz für Patient:innen, nicht die fachliche Grundlage für Personalplanung. Überlastung entstehe nicht durch zu viele Pflegende, sondern durch falschen Einsatz, fehlenden Qualifikationsmix und unzureichende Strukturen.
DPR fordert Sicherung und Weiterentwicklung des Pflegebudgets
Vogler appelliert: „Professionelle Pflege ist kein Kostenproblem, sondern eine Voraussetzung funktionierender Krankenhäuser. Wer das Pflegebudget infrage stellt, riskiert neue Versorgungsdefizite.“ Der DPR spricht sich für eine Weiterentwicklung des Pflegebudgets aus, inklusive digitaler, fristgerechter Budgetverhandlungen und einer angepassten Finanzierung für ambulante Pflege. Entscheidungen über Personal und Pflegebedarf müssten pflegefachlich begründet sein und dürften nicht ausschließlich ökonomisch getroffen werden.







