IGES-Projektion warnt vor Milliardenlücke in der GKV ab 2027
DAK-Chef Storm fordert 3-Stufen-Plan zur Stabilisierung der Kassenbeiträge
Laut einer neuen Projektion des Berliner IGES Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit droht der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von bis zu 12 Milliarden Euro. In der Folge könnte der durchschnittliche Beitragssatz um 0,6 Prozentpunkte steigen. Gleichzeitig warnt die Analyse vor einer strukturellen Zuspitzung: Bis 2035 könnte die Gesamtbelastung aus Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung erstmals die 50-Prozent-Marke überschreiten.
Die Berechnungen basieren auf aktuellen Haushaltsannahmen des Bundes sowie Daten der beteiligten Sozialversicherungsträger. Neben der GKV ist auch die soziale Pflegeversicherung betroffen, für die 2027 eine zusätzliche Finanzierungslücke von 5,5 Milliarden Euro erwartet wird.
Treiber der Finanzierungslücke: Ausgabenwachstum und Wegfall von Bundesmitteln
Nach Angaben des IGES Instituts ergibt sich der Fehlbetrag in der GKV insbesondere aus einem anhaltend stärkeren Ausgabenwachstum in Höhe von rund 6,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen der Wegfall des Bundesdarlehens (2,3 Mrd. Euro), das Auslaufen des sogenannten kleinen Sparpakets (1,7 Mrd. Euro) sowie die erwartete Anhebung des Apotheken-Fixums (1,0 Mrd. Euro).
Für das Jahr 2027 prognostiziert IGES einen durchschnittlichen GKV-Beitragssatz von 18,3 Prozent. Bereits 2033 könnte die Marke von 20 Prozent überschritten werden. In der Pflegeversicherung wird ein Anstieg auf 4,1 Prozent im Jahr 2027 erwartet, mit weiterem Aufwärtstrend bis auf rund 5,0 Prozent im Jahr 2033.
IGES: Kurzfristige Maßnahmen reichen nicht aus
Studienleiter Dr. Richard Ochmann kommt in der Projektion zu dem Fazit, dass die bislang beschlossenen Finanzierungsmaßnahmen keine mittel- oder langfristige Beitragsdämpfung bewirken. Einmalige Darlehen und kurzfristige Sparpakete könnten die Entwicklung allenfalls temporär abfedern, die strukturelle Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben jedoch nicht schließen.
Bereits für 2027 zeichne sich erneut ein deutlicher Beitragssprung sowohl in der Kranken- als auch in der Pflegeversicherung ab.
DAK fordert GKV-Stabilitätspakt in drei Stufen
Vor diesem Hintergrund schlägt DAK-Vorstandschef Andreas Storm einen 3-stufigen GKV-Stabilitätspakt vor. Ziel sei es, bereits ab 2027 stabile Beitragssätze zu erreichen und die finanzielle Belastung für Versicherte und Arbeitgeber zu begrenzen.
Im Zentrum steht zunächst eine einnahmenorientierte Ausgabenpolitik, bei der die Ausgabenentwicklung der GKV strikt an die Einnahmen gekoppelt wird. Diese soll bis zum Ende der laufenden Wahlperiode 2029 gelten. Die konkrete Ausgestaltung soll durch die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte FinanzKommission Gesundheit erfolgen und in einer Konzertierten Aktion Gesundheit abgestimmt werden.
Als zweite Stufe fordert die DAK eine ordnungspolitische Neujustierung der Finanzierung, unter anderem durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arznei- und Hilfsmittel auf sieben Prozent. Daraus ergebe sich laut DAK ein jährlicher Spareffekt von rund 5,3 Milliarden Euro. Zur Gegenfinanzierung schlägt die Krankenkasse höhere Verbrauchssteuern auf Tabak und Alkohol vor. Zudem solle der Bund ab 2028 schrittweise einen vollständigen Kostenausgleich für Bürgergeld-Beziehende leisten.
Langfristig setzt die DAK auf umfassende Struktur- und Versorgungsreformen, etwa durch den Ausbau der Primärversorgung, die Notfallreform und die Krankenhausreform. Diese Reformen benötigten jedoch Zeit, um Effizienzpotenziale wirksam zu heben.




