Krankenhäuser warnen vor Versorgungsrisiken durch GKV-Kürzungen
Katholischer Krankenhausverband und Caritas kritisieren Beitragssatzstabilisierungsgesetz
Der Katholische Krankenhausverband und die Caritas haben am 23. April 2026 ihre Stellungnahme zum Klinikteil des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vorgelegt. Sie warnen vor erheblichen finanziellen Belastungen für Krankenhäuser und sehen dadurch die stationäre Versorgung sowie zentrale Leistungsbereiche zunehmend gefährdet.
Der Katholische Krankenhausverband und die Caritas schlagen in einer gemeinsamen Stellungnahme zum Referentenentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes Alarm. Nach Einschätzung der Verbände könnten die vorgesehenen Maßnahmen zu erheblichen finanziellen Einschnitten im Krankenhaussektor führen und damit direkte Auswirkungen auf die Versorgungsstrukturen in Deutschland haben.
Nach Angaben von Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbands, befinde sich die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken bereits heute in einer kritischen Phase. Rund 75 Prozent der Krankenhäuser schrieben derzeit rote Zahlen, ein Viertel verfüge über keine freien Finanzmittel mehr. Die geplanten gesetzlichen Änderungen würden diesen Druck weiter verstärken. Insgesamt sei von faktischen Vergütungskürzungen in Milliardenhöhe auszugehen, die sich in den kommenden Jahren weiter steigern könnten.
Besonders betroffen seien freigemeinnützige Träger wie katholische Krankenhäuser, die einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Versorgung leisten. Anders als öffentliche Häuser erhielten sie keine regelmäßigen kommunalen Defizitausgleiche, wodurch ihre finanzielle Stabilität deutlich eingeschränkt sei. Laut Stellungnahme reiche die Liquidität im Durchschnitt nur für wenige Wochen, während die Insolvenzquote bereits doppelt so hoch wie bei öffentlichen Kliniken liege.
Die Verbände warnen, dass der zunehmende wirtschaftliche Druck zwangsläufig Auswirkungen auf das Versorgungsangebot haben werde. Dies könne sich in eingeschränkten Leistungsportfolios, längeren Wartezeiten oder im schlimmsten Fall in der Schließung einzelner Fachabteilungen oder Standorte äußern. Besonders gefährdet seien personalintensive Bereiche wie Geburtshilfe, Geriatrie, Psychiatrie und Palliativmedizin, die jedoch für eine flächendeckende Versorgung unverzichtbar seien. Gerade im ländlichen Raum könnten sich dadurch bestehende Versorgungsengpässe weiter verschärfen.
Kritisch bewerten die Verbände zudem die Wechselwirkungen mit der laufenden Krankenhausreform. Die geplanten finanziellen Einschnitte könnten notwendige Investitionen in Strukturveränderungen erschweren und damit Reformziele wie Spezialisierung und Konzentration konterkarieren. Gleichzeitig sei mit einem weiteren Anstieg des bürokratischen Aufwands zu rechnen, der zusätzliche Ressourcen binde.
Als Gegenposition fordern Katholischer Krankenhausverband und Caritas eine stärkere Fokussierung auf Effizienzpotenziale innerhalb des Systems. Dazu zählen insbesondere ein konsequenter Bürokratieabbau, die Reduktion regulatorischer Vorgaben sowie erweiterte unternehmerische Handlungsspielräume für Kliniken. Zudem wird erneut die vollständige Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch den Staat angemahnt, um eine strukturelle Entlastung der GKV zu erreichen.





