KBV: Simone Borchardt sieht Ambulantisierung als zentrale Gesundheitsreform

Strategische Anpassungen und Hybrid-DRG sollen stationäre Leistungen reduzieren

Die Ambulantisierung in Deutschland soll durch gezielte strukturelle Maßnahmen und sektorenübergreifende Konzepte beschleunigt werden. Wie Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, im Klartext-Interview erläuterte, werden derzeit zu viele Leistungen unnötig stationär erbracht, während ambulante Strukturen unterentwickelt bleiben. Das Interview wurde am 26. Februar 2026 veröffentlicht.

Borchardt verwies auf die vergleichsweise hohe Bettenkapazität in Deutschland: „Deutschland hat 7,8 Betten pro 1.000 Einwohner, der OECD-Schnitt liegt bei 4,3. 92 Prozent der Krankenhausausgaben fließen in vollstationäre Leistungen.“ Dies führe dazu, dass stationäre Betten belohnt würden, nicht der tatsächliche Versorgungsbedarf. Ihrer Auffassung nach sei eine stärkere Vernetzung von Praxen, Kliniken und weiteren Versorgungsakteuren erforderlich, um Patientinnen und Patienten zielgerichtet zu versorgen.

Als Instrument zur Förderung der Ambulantisierung sieht Borchardt die Hybrid-DRG: Seit 2024 werden für ausgewählte Eingriffe dieselben Fallpauschalen gezahlt, egal ob ambulant oder stationär. „Damit haben wir rund 400.000 stationäre Fälle eingespart; 2025 kommen weitere Leistungen hinzu und 2026 sind 69 DRG mit 904 OPS-Codes geplant“, so Borchardt. Ziel sei es, den Katalog weiter zu erweitern, bürokratische Hürden abzubauen und Anreize für ambulante Leistungen zu schaffen. Gleichzeitig brauche es ein Primärarztsystem, transparente Qualitätsmessung und eine einheitliche Nachsorge, um die Versorgung aus einer Hand zu gewährleisten.

Die gesundheitspolitische Sprecherin setzt auf sektorenübergreifende Versorgungsstrukturen: Haus- und Fachärzte, Kliniken, Reha-Einrichtungen und Pflegedienste sollen regional vernetzt arbeiten. Digitale Lösungen, elektronische Patientenakten und integrierte Notfallzentren sollen Patientenströme steuern und Brüche zwischen ambulant und stationär reduzieren.

Für die Finanzierung sieht Borchardt den Transformationsfonds vor, der von 2026 bis 2035 bis zu 50 Milliarden Euro bereitstellt. Ergänzend sollen ambulante OP-Zentren und Praxiskliniken unterstützt sowie die ambulante fachärztliche Aus- und Weiterbildung gefördert werden.

Borchardt betonte abschließend, dass der Erfolg der Ambulantisierung maßgeblich von der Vertragsärzteschaft abhänge. Politik und Gesundheitsakteure müssten gemeinsam Anreize setzen, digitale Lösungen nutzen und den Übergang von stationären zu ambulanten Leistungen koordinieren, um Effizienz, Qualität und Patientensicherheit zu steigern.

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