IWiG entwickelt Kalkulationssystem für Ambulantisierung
Workflow-Management soll Kliniken bei Hybrid-DRGs und AOP-Transformation unterstützen
Das Institut für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG) entwickelt ein simulationsgestütztes Kalkulationssystem zur wirtschaftlichen Bewertung ambulanter Versorgungsmodelle. Wie das Institut mitteilte, soll die Lösung Krankenhäuser bei der Umsetzung der Ambulantisierung und neuer gesetzlicher Vorgaben wie Hybrid-DRGs und erweiterter AOP-Leistungen unterstützen. Im Fokus stehen strukturierte Workflow-Prozesse und digitale Steuerungsmodelle für die sektorübergreifende Versorgung.
Die Ambulantisierung stationärer Leistungen entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Bestandteil der aktuellen Krankenhausreform. Vor diesem Hintergrund arbeitet das Institut für Workflow-Management im Gesundheitswesen (IWiG) an einem simulationsgestützten Entscheidungs- und Kalkulationssystem, das Krankenhäuser bei der wirtschaftlichen Bewertung ambulanter Versorgungskonzepte unterstützen soll. Ausgangspunkt der Entwicklung sind die tiefgreifenden regulatorischen Veränderungen im Gesundheitswesen. Dazu zählen insbesondere die Ausweitung des AOP-Katalogs nach §115b SGB V, die Einführung der Hybrid-DRGs nach §115f SGB V sowie die Etablierung der tagesstationären Behandlung nach §115e SGB V. Diese Instrumente sollen die Verlagerung geeigneter stationärer Leistungen in ambulante oder sektorenübergreifende Versorgungsformen beschleunigen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Krankenhäuser, ihre bisherigen Versorgungsstrukturen organisatorisch und wirtschaftlich neu auszurichten. Nach Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK könnten erhebliche Teile der heutigen stationären Fälle grundsätzlich ambulant erbracht werden. Entscheidend sei jedoch nicht allein die medizinische Machbarkeit, sondern die Fähigkeit der Einrichtungen, ambulante Prozesse effizient in bestehende Betriebsabläufe zu integrieren.
Nach Einschätzung des IWiG liegt die zentrale Herausforderung daher weniger in der medizinischen Leistungserbringung als vielmehr in der Prozessorganisation. Michael Greiling verweist darauf, dass fehlende Prozessintegration derzeit zu den größten Hürden der Ambulantisierung zählt. Vor diesem Hintergrund soll das neue Kalkulationssystem standardisierte Entscheidungsgrundlagen schaffen und wirtschaftliche Auswirkungen unterschiedlicher Versorgungsmodelle simulieren können. Die Entwicklung basiert nach Angaben des Instituts auf der SPGA-Methodik sowie der Plattform ClipMed PPM. Ziel ist es, Krankenhäusern Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen Prozessketten, Ressourcenbedarf und Wirtschaftlichkeit neuer Versorgungsformen transparenter analysiert werden können. Gerade im Kontext der Hybrid-DRGs entstehen für viele Kliniken erhebliche Anforderungen an die organisatorische Steuerung, digitale Infrastruktur und sektorenübergreifende Zusammenarbeit.
Das IWiG bewertet die aktuellen Reformen als Chance für eine grundlegende Neustrukturierung der Versorgung. Statt historisch gewachsener stationärer Strukturen rücke künftig eine stärker prozessorientierte Versorgungslogik in den Mittelpunkt. Das Institut ruft Kliniken, Kostenträger und politische Akteure dazu auf, gemeinsam praxisnahe Lösungen für die Umsetzung der Reformziele zu entwickeln.




