Vorhofflimmern im Fokus: DHZC diskutiert neue Ablationstechnologien und KI im EP-Labor
Berlin Atrial Fibrillation Meeting 2026 zeigt Trends zwischen Ambulantisierung, PFA und personalisierter Therapie
Beim Berlin Atrial Fibrillation Meeting 2026 am 5. und 6. Juni in Berlin diskutieren Expertinnen und Experten des Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC) aktuelle Entwicklungen in der Behandlung von Vorhofflimmern. Im Mittelpunkt stehen Ambulantisierung, neue Ablationstechnologien sowie der zunehmende Einsatz künstlicher Intelligenz in der elektrophysiologischen Therapie.
Vorhofflimmern gilt als die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und gewinnt angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung. Gleichzeitig wächst die Zahl therapeutischer Optionen, insbesondere im Bereich der interventionellen Elektrophysiologie. Genau diese Entwicklung steht im Zentrum des Fachkongresses, der sich an klinisch tätige Kardiologinnen und Kardiologen richtet.
Ein zentraler Schwerpunkt ist die Ambulantisierung von Ablationsverfahren. Seit Anfang 2026 können Katheterablationen bei Vorhofflimmern in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen ambulant durchgeführt werden, unterstützt durch die Einführung der Hybrid-DRG-Systematik. Am DHZC wird nach Angaben der beteiligten Fachärzte bereits ein erheblicher Anteil der Eingriffe ambulant erbracht. Die Erfahrungen gelten als überwiegend positiv, vor allem im Hinblick auf Patientenzufriedenheit und kurze Aufenthaltszeiten.
Gleichzeitig verändert sich die technische Grundlage der Ablationsverfahren deutlich. Im Fokus steht die sogenannte Pulsed-Field-Ablation (PFA), bei der Herzgewebe nicht thermisch, sondern mittels elektrischer Impulse behandelt wird. Ziel ist eine selektivere Gewebewirkung bei gleichzeitig geringerer Belastung umliegender Strukturen. Die Expertinnen und Experten betonen jedoch, dass auch neue Komplikationsmuster beobachtet werden und eine differenzierte Bewertung weiterhin erforderlich bleibt.
Neben der Technologieentwicklung rückt zunehmend die Frage der Individualisierung in den Vordergrund. Die Auswahl der jeweils geeigneten Ablationsmethode soll stärker patientenspezifisch erfolgen. Nach Angaben aus dem DHZC stehen dafür verschiedene Systeme zur Verfügung, die im klinischen Alltag differenziert eingesetzt werden.
Ein weiterer Innovationsbereich ist der Einsatz künstlicher Intelligenz im elektrophysiologischen Labor. KI-gestützte Systeme sollen dabei helfen, komplexe elektrische Muster im Vorhof zu identifizieren, die mit Rezidiven nach Ablationen in Verbindung stehen. Erste Studien deuten darauf hin, dass solche Ansätze die Präzision der Therapie verbessern könnten.
Neben der klinischen Anwendung spielt auch die wissenschaftliche Evaluation eine zentrale Rolle. Im Rahmen des Kongresses werden laufende Studien zur Ambulantisierung, zu neuen Ablationstechnologien sowie zu geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Vorhofflimmern vorgestellt. Besonders hervorgehoben wird dabei die noch unzureichende Datenlage zu Frauen in der interventionellen Rhythmologie.
Das Meeting setzt zudem bewusst auf kritische wissenschaftliche Diskussion. Internationale Experten analysieren ausgewählte Studien hinsichtlich Methodik, Aussagekraft und möglicher Interessenkonflikte. Ziel ist eine stärkere Einordnung neuer Evidenz in die klinische Praxis.




