2026 als Schicksalsjahr: DKG fordert Kurswechsel in Gesundheitspolitik
Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor finanzieller Schieflage, fordert Entbürokratisierung, echte Vorhaltefinanzierung und konsequente Prävention
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat bei ihrer Jahresauftaktpressekonferenz in Berlin die gesundheitspolitischen Herausforderungen für 2026 skizziert und einen klaren Kurswechsel gefordert. Unter dem Motto „Blick ins Jahr 2026 zwischen Spardiktat und Klinikreform“ betonten DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß und die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Henriette Neumeyer die Dringlichkeit von Reformen.
„2026 muss ein Jahr der Entscheidungen werden. Die Bundesregierung darf die Zeit nicht weiter verstreichen lassen. Wir brauchen jetzt tiefgreifende Reformen im Gesundheitswesen, klare Prioritäten und den politischen Mut, unbequeme, aber notwendige Maßnahmen umzusetzen“, erklärte Gaß.
Die DKG kritisierte, dass kurzfristige Sparmaßnahmen allein die Lage nicht lösen werden. Bereits ab 2027 erwartet das Bundesministerium für Gesundheit ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe. Gaß wies darauf hin, dass die Darstellung der Krankenhäuser als Kostentreiber sachlich falsch sei: „Die einfachen Antworten der vergangenen Jahre haben nicht funktioniert. Krankenhäuser pauschal als Kostentreiber darzustellen, ist sachlich falsch und politisch bequem – aber es löst kein einziges Problem.“
Prof. Dr. Neumeyer unterstrich die Bereitschaft der Kliniken zu Veränderungen: „Wir wissen, dass Veränderungen notwendig sind, und wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Krankenhäuser seien offen, Versorgungsstrukturen neu zu ordnen, Standorte zu schließen oder in sektorübergreifende Versorgungszentren (SÜV) umzuwandeln. Voraussetzung sei jedoch eine verlässliche gesetzliche Grundlage und Planungssicherheit.
Die DKG fordert eine auskömmliche echte Vorhaltefinanzierung, positive Anreize für Ambulantisierung geeigneter Leistungen sowie den Abbau kleinteiliger Personalvorgaben. „Ohne diese Voraussetzungen droht die Krankenhausreform zu scheitern“, warnte Neumeyer. Zugleich kritisierte die DKG einseitige Sparmaßnahmen: „Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist bereits heute dramatisch. Immer mehr Kliniken geraten in existenzielle Schwierigkeiten, Insolvenzen nehmen zu“, so Gaß.
Neben finanziellen Aspekten thematisierte die DKG die zunehmende Bürokratisierung: „Ohne massive Entbürokratisierung und Digitalisierung, die Prozesse wirksam verschlanken, ersticken wir in selbst geschaffenen Regeln. Diese Entwicklung bindet Zeit, die wir dringend für die Versorgung der Patientinnen und Patienten brauchen, und sie lähmt Innovation und Fortschritt“, erklärte Neumeyer.
Ein weiterer Fokus liegt auf Prävention: Deutschland liege bei vermeidbaren Erkrankungen im europäischen Vergleich weit vorne, während Lebenserwartung geringer und Sterblichkeit höher seien als in vielen anderen Ländern. Gaß forderte ein Umdenken: „Unser Gesundheitswesen definiert sich heute in erster Linie als Reparaturbetrieb, das muss sich grundlegend ändern.“
Abschließend wies die DKG auf die Notwendigkeit einer nationalen Strategie zur Stärkung der Krisenfestigkeit der Krankenhäuser hin, etwa im Hinblick auf Cyberrisiken und steigende Sicherheitsanforderungen. „2026 wird ein Schicksalsjahr für die Krankenhäuser. Wir erwarten von der Gesundheitspolitik finanzielle Stabilität, konsequenten Bürokratieabbau, verlässliche Rahmenbedingungen und mutige Reformentscheidungen – im Interesse der Patientinnen und Patienten und einer sicheren Versorgung in Deutschland“, so Gaß.







