WIdO-Qualitätsmonitor 2023: Stagnation bei der Steuerung von Herzinfarkt- und Brustkrebs-Patient*innen in spezialisierte Kliniken
Trotz positiver Entwicklungen in Teilbereichen bleibt die konsequente Steuerung von Patient*innen mit Herzinfarkt und Brustkrebs in spezialisierte Kliniken in Deutschland hinter den Erwartungen zurück
— der Qualitätsmonitor 2023 macht deutliche Defizite und regionale Unterschiede sichtbar.
Herzinfarktversorgung: Stagnation auf hohem Fehlversorgungsniveau
Die Auswertungen des Qualitätsmonitors 2023 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen, dass der Anteil von Herzinfarkt-Patient*innen, die in Kliniken ohne Herzkatheterlabor (HKL) behandelt werden, 2022 und 2023 konstant bei knapp 5 % lag. Damit blieben 8.430 Fälle im Jahr 2023 nicht leitliniengerecht versorgt.
WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber kritisierte:
„Damit können die Verantwortlichen im Bund und in den Ländern nicht zufrieden sein, zumal Kliniken mit unklaren Angaben zum Herzkatheterlabor hier noch nicht eingerechnet sind.“
Im Ländervergleich zeigt sich ein enormes Gefälle:
- Hamburg: nur 0,6 % Fehlversorgungsanteil (26 Fälle)
- Saarland: rund 10 % Fehlversorgungsanteil (291 Fälle)
Die geplanten Leistungsgruppen im Rahmen der Krankenhausreform könnten laut Klauber hier künftig zu einer Verbesserung beitragen, sofern sie konsequent umgesetzt werden.
Brustkrebs-Operationen: Mehr als jede zehnte Patientin nicht in zertifizierten Zentren
Ebenso problematisch bleibt die operative Behandlung von Brustkrebs außerhalb zertifizierter Brustzentren.
2023 wurden 11,1 % der Patientinnen (8.591 Fälle) in nicht-zertifizierten Einrichtungen operiert — ein nur minimaler Rückgang gegenüber 2022 (8.665 Fälle).
Besonders gravierend ist die Lage in Sachsen-Anhalt, wo mehr als jede vierte Patientin nicht in einem zertifizierten Zentrum behandelt wird.
Jürgen Klauber betonte:
„Die Einführung und Anhebung der Mindestmengen ist ein Fortschritt. Doch entscheidend ist, dass die Politik verstärkt auf eine Zentralisierung in zertifizierten Kliniken setzt, die neben Fallzahlen auch umfangreiche Struktur- und Prozesskriterien erfüllen.“
Studien zeigen, dass Patientinnen in zertifizierten Zentren signifikante Überlebensvorteile haben.




