IQM Peer Reviews zeigen Defizite im Delirmanagement

Multizentrische Analyse identifiziert Versorgungslücken bei Screening, Diagnostik und Dokumentation in Krankenhäusern

Eine Auswertung der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) zeigt deutliche Defizite bei der Umsetzung eines strukturierten Delirmanagements in deutschen und Schweizer Krankenhäusern. Wie aus einer retrospektiven Analyse von acht IQM Peer Reviews hervorgeht, werden leitliniengerechte Diagnostik, standardisierte Screenings und die Dokumentation eines Delirs bislang nur unzureichend umgesetzt. Die Ergebnisse verdeutlichen den Handlungsbedarf angesichts einer alternden Patientenschaft und der steigenden Bedeutung des Delirs in der stationären Versorgung.

Die Untersuchung basiert auf strukturierten Peer Reviews innerhalb der IQM-Delir-Awareness-Kampagne und analysiert die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit dokumentiertem Delir oder erhöhtem Delirrisiko.

Für die Studie wurden 115 strukturierte Bewertungsbögen aus acht Peer Reviews in IQM-Mitgliedskrankenhäusern in Deutschland und der Schweiz ausgewertet. Ärztliche und pflegerische Fachpersonen überprüften anhand eines standardisierten Bewertungsbogens den klinischen Verlauf sowie die Umsetzung zentraler Elemente des Delirmanagements.

In 90 Prozent der untersuchten Fälle lagen relevante Delirrisikofaktoren vor. Dazu zählten insbesondere ein höheres Lebensalter, operative Eingriffe sowie kognitive Vorerkrankungen. Trotz dieses hohen Risikoprofils kam ein strukturiertes Delirscreening lediglich in 26,1 Prozent der Fälle zum Einsatz. Wurde ein Screening durchgeführt, erfolgte dieses überwiegend nur einmalig und nicht als kontinuierlicher Bestandteil der stationären Versorgung.

Auch bei Diagnostik und Therapie zeigen sich deutliche Defizite. Nach Einschätzung der IQM-Peers entsprach das Vorgehen lediglich in 13,9 Prozent der Fälle den geltenden Leitlinien. Darüber hinaus wurde ein bestehendes Delir nur in 19,1 Prozent der Fälle im Entlassbrief dokumentiert. Diese lückenhafte Dokumentation kann die sektorenübergreifende Weiterbehandlung und das Risikomanagement nach der Entlassung erschweren.

Qualitätsmanagement erkennt erhebliches Verbesserungspotenzial

Die Analyse macht deutlich, dass in 46,1 Prozent der überprüften Fälle ein erhebliches Verbesserungspotenzial im klinischen Verlauf bestand. Aus Sicht der Autorinnen und Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, Delirmanagement nicht als Einzelmaßnahme, sondern als verbindlichen interprofessionellen Versorgungsprozess zu etablieren.

Hierzu gehören standardisierte Risikoerhebungen bei der Aufnahme, regelmäßige Screenings, eine leitliniengerechte Diagnostik und Therapie sowie eine vollständige Dokumentation einschließlich der Aufnahme in den Entlassbrief. Angesichts des demografischen Wandels und der wachsenden Zahl hochbetagter Patientinnen und Patienten gewinnt ein strukturiertes Delirmanagement zunehmend an Bedeutung für die Patientensicherheit und die Versorgungsqualität.

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