Sprachbarrieren werden zum Risiko für die Patientensicherheit
Forschungsprojekt fordert professionelle Sprachmittlung in Kliniken – Angehörige, Kinder oder nicht geschulte Beschäftigte sollen Dolmetschdienste nicht ersetzen
Sprachbarrieren betreffen nach Angaben einer internationalen Forschungsgruppe rund zehn Prozent der Patientenkontakte in Deutschland. Mit der „Hamburger Erklärung für mehrsprachige Gesundheitsversorgung“ fordert das Forschungsprojekt MiM2M deshalb verbindlichere Strukturen für die Kommunikation mit Patienten, die nicht dieselbe Sprache wie ihre Behandler sprechen.
In der Versorgung werde bislang häufig improvisiert. Angehörige, mehrsprachige Beschäftigte oder andere nicht professionell geschulte Personen übernehmen Übersetzungen; teilweise kommen maschinelle Übersetzungssysteme zum Einsatz. Das MiM2M-Projekt weist darauf hin, dass solche informellen Lösungen unter anderem Übersetzungsfehler oder das Auslassen sensibler Informationen begünstigen können.
Kliniken sollen Sprachmittlung strukturell organisieren
Die Hamburger Erklärung empfiehlt unter anderem, die bevorzugte Sprache der Patienten systematisch zu erfassen, wichtige Patienteninformationen professionell mehrsprachig bereitzustellen und Beschäftigte für sprachlich schwierige Behandlungssituationen zu qualifizieren. Für professionelle Dolmetschleistungen sollen geeignete organisatorische und finanzielle Strukturen geschaffen werden.
Besonders kritisch bewertet die Forschungsgruppe den Einsatz von Kindern als Dolmetscher. Auch mehrsprachige Klinikbeschäftigte, etwa aus Service- oder Reinigungsbereichen, sollten nicht ohne entsprechende Qualifikation und organisatorische Absicherung für diese Aufgabe eingesetzt werden.
Die Erklärung entstand im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts MiM2M – Multilingualism in Providing Quality Mental Health Care to Migrants. Das vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mitgetragene Projekt untersucht Sprachbarrieren und Kommunikationsstrategien in der Gesundheitsversorgung und entwickelt daraus Empfehlungen für die Praxis.




