Neues QS-Verfahren Sepsis nimmt Kliniken seit 2026 in die Pflicht
Uniklinikum Dresden setzt bundesweite Qualitätssicherung um – DGCH sieht zusätzlich Potenzial für KI bei der Früherkennung
Seit 2026 ist die Diagnostik und Therapie der Sepsis Bestandteil der bundesweiten datengestützten Qualitätssicherung. Das Universitätsklinikum Dresden hat das neue QS-Verfahren in seine Versorgungsstrukturen integriert und setzt dabei auf standardisierte Abläufe, Schulungen und interprofessionelle Zusammenarbeit. Parallel fordert die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Künstliche Intelligenz stärker für die frühzeitige Erkennung einer Sepsis einzusetzen.
Das neue Verfahren „QS Sepsis“ ist als Verfahren 20 Bestandteil der Richtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (DeQS-RL). Ziel ist es, relevante Qualitätsaspekte der Sepsisversorgung systematisch zu erfassen und die Behandlungsqualität vergleichbar zu machen.
Dabei werden sowohl fallbezogene und einrichtungsbezogene Qualitätsindikatoren als auch Sozialdaten der Krankenkassen berücksichtigt. Erfasst werden unter anderem die Sterblichkeit sowie neu auftretende gesundheitliche Beeinträchtigungen nach einer Sepsis. Krankenhäuser erhalten Rückmeldungen zu ihren Ergebnissen, die für interne Qualitätsverbesserungen genutzt werden können.
Dresden integriert QS Sepsis in das Qualitätsmanagement
Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wird das Verfahren durch den Bereich Qualitäts- und Risikomanagement begleitet. Beschäftigte sollen regelmäßig geschult und für mögliche Warnzeichen einer Sepsis sensibilisiert werden. Standardisierte Abläufe und praktische Hilfsmittel sollen eine frühzeitige Erkennung unterstützen.
Dabei arbeiten ärztlicher Dienst, Pflege, Infektiologie, Hygiene und weitere an der Patientenversorgung beteiligte Bereiche zusammen. Behandlungsprozesse werden nach Angaben des Klinikums regelmäßig überprüft und weiterentwickelt.
Dresden verfügt zudem bereits seit 2018 gemeinsam mit der Klinik Bavaria Kreischa über ein Comprehensive Sepsis Center. Damit soll die Versorgung über die Akutbehandlung hinaus mit Rehabilitation und weiterer ambulanter Versorgung verknüpft werden.
DGCH sieht Potenzial für KI-Warnsysteme
Zusätzliche Möglichkeiten für die Früherkennung sieht die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie im Einsatz Künstlicher Intelligenz. Die Fachgesellschaft verweist anlässlich des Welt-Sepsis-Tages am 13. September auf bereits erprobte Systeme, die vorhandene Patientendaten kontinuierlich analysieren und frühzeitig auf ein erhöhtes Sepsis-Risiko hinweisen können.
Ein Beispiel ist das AMPEL-Projekt des Universitätsklinikums Leipzig. Dort wird das Sepsis-Risiko automatisiert anhand von Labordaten berechnet. Nach den von der DGCH angeführten Untersuchungen erreichte das System allein eine Vorhersagegenauigkeit von 80 bis 84 Prozent. In Kombination mit dem Sepsis-Marker Procalcitonin lag sie bei knapp 86 Prozent.
Andere Forschungsansätze kombinieren bildgebende Verfahren mit KI. Forschende des Deutschen Krebsforschungszentrums untersuchen beispielsweise Veränderungen der Mikrozirkulation der Haut. In Kombination mit weiteren klinischen Daten konnten dabei nach Angaben der DGCH bis zu 94 Prozent der Sepsis-Fälle erkannt werden.
Automatische Warnsysteme könnten QS-Strukturen ergänzen
Für Krankenhäuser sind insbesondere Systeme interessant, die bereits vorhandene elektronische Patienten- und Labordaten im Hintergrund analysieren. Sie könnten klinische Teams auf mögliche Sepsis-Fälle aufmerksam machen, bevor die Erkrankung eindeutig erkannt wurde.
Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Mit dem neuen QS-Verfahren werden seit 2026 bundesweit Strukturen und Ergebnisse der Sepsisversorgung systematisch erfasst. Gleichzeitig könnten digitale Frühwarnsysteme und KI dazu beitragen, die klinischen Prozesse bereits vor Eintritt eines kritischen Verlaufs zu unterstützen.
Der G-BA hat das QS-Verfahren inzwischen auch für das Erfassungsjahr 2027 weiterentwickelt und im Juli die entsprechenden Spezifikationen und Rechenregeln beschlossen.




